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Preisträger 2011

Goldener Schlüssel
Work Hard - Play Hard
von Carmen Losmann

Jurybegründung:

„In Work Hard - Play Hard erlaubt uns Carmen Losmann, in die Untiefen der modernen Arbeitswelt einzutauchen. In genau beobachteten Szenen führt sie Methoden vor, die idealen Arbeitnehmer/innen zu finden, zu formen, ihre Produktivität zu steigern und das entsprechende Umfeld zu gestalten. Sie überzeugt durch die Schlüssigkeit ihres Zugangs zum Thema, das sie aus unterschiedlichen Perspektiven umkreist. Die hervorragende Kamera und der präzise Schnitt tragen dazu bei, eine filmische Sprache zu entwickeln, die eine beobachtende Distanz wahrt, zugleich aber die Haltung der Autorin deutlich werden lässt.“

Lobende Erwähnung
Půlnoc von Klára Tasovská

Jurybegründung:

“Klára Tasovská wagt mit Půlnoc eine Annäherung an ein komplexes Thema – die Dunkelheit, in die sie sich auch selbst begibt. Beeindruckend fanden wir die Experimentierfreudigkeit des Films, die Bereitschaft, Fragen zu stellen und sich die Freiheit zu nehmen, sie auch unbeantwortet zu lassen.“

Goldener Herkules

Andersartig von Dennis Stein-Schomburg

Jurybegründung:

„Aus Mathebuchzahlen wird ein fliegender Fisch, aus Pusteblumen werden Bomber, dann Bomben und schließlich ein schreckliches Kriegserlebnis. Dennis Stein-Schomburg erzählt in Andersartig in bewegenden vier Minuten das Leben von Hildegard Wohlgemuth vor dem Krieg und im Krieg. Er schildert ihr Überleben, weil sie eben andersartig ist. In den perfekt gebauten Bildern, in einem Collagestil aus Aquarelltechnik bis zu 3D-Animation, schließt er Fragen nach dem Überleben und der eigenen Existenz auf, nach Freiheit aber auch nach dem Aushalten von Einsamkeit, die weit über das Gezeigte hinausreichen. Die authentische Sprecherstimme der alten Frau und die beeindruckenden Bilder fügen sich zusammen zu einem kleinen und gleichzeitig großen Meisterwerk.“

Lobende Erwähnung
George Schmitzki von Benjamin Pfitzner

Jurybegründung:

„George Schmitzki hat einen schiefen Hals. Und George Schmitzki will so sein wie Dirk Nowitzki. Das geht nicht? Doch, das geht. Wenn man sich traut. Benjamin Pfitzner gelingt es, in seinem lächelnden Spielfilm diesen scheinbar aussichtslosen Traum auf den Weg zu bringen. Ein Weg mit Hürden: Freundschaften drohen zu zerbrechen, die Liebe steht auf dem Spiel, Selbstzweifel überwiegen, und selbst der väterliche Pfarrer bietet nur noch mehr Messwein an. Aber dann wendet sich das Blatt: So siegt die Erkenntnis, dass Vertrauen, Glauben und Freundschaft jede Behinderung überwinden können. Pfitzner erzählt aber alles andere als eine politisch korrekte Geschichte. Er arbeitet frech, schräg, leicht surreal. Die durch die Bank weg tollen schauspielerischen Leistungen und die detailversessene Ausstattung runden den Film ab. Allein der Vorspann ist eine liebeswert-schräge Perle. Absolut sehenswert.“

A38-Produktions-Stipendium
Tao m'a dit...
von Léo Médard

Jurybegründung:

„Ausgangspunkt oder Idee des Filmes ist die Suche nach dem tieferen Sinn hinter dem Leben – die Suche nach einem Wert, einer Philosophie, einer Religion. Der Filmemacher ist in die Fremde gezogen, nach Beijing, um Lao Tses Tao zu finden. Was er findet: Eine moderne Großstadt, die ihre Seele hinter Hektik und moderner Technik nicht zeigt. Der Filmemacher muss lernen, dass Lao Tses Tao nicht abbildbar ist. Die Kamera vermag es nicht einzufangen. Diese Erkenntnis bleibt aber nicht stehen. Der Filmemacher erinnert sich: das Tao ist ein „nothingness“ – gleichzeitig aber überall, hinter jedem Gesicht, eigentlich hinter allen Dingen verborgen. Der Film zeichnet sich durch eine präzise beobachtende Kamera aus, die ruhige Bilder einer hektischen Welt zeigt. Im Film begegnen sich zwei Sprachen, die beide poetisch sind. Die Sprachbilder werden von der Kamera visuell umgesetzt, die Aufnahmen passen zu den Sprachbildern. Hier hat sich ein junger Filmemacher getraut, in ein komplexes Thema einzusteigen. Er ist das Risiko eines Essayfilmes eingegangen, ohne zu scheitern. Ein schwieriges Thema findet eine reflektierte filmische Umsetzung und verzichtet dabei auf altkluge Belehrungen. Die Jury hat sich entschieden, das A – 38 Produktions-Stipendium Kassel-Halle an Léo Médard für seinen herausragenden Film Tao m’a dit... zu vergeben. Herzlichen Glückwunsch!“

Lobende Erwähnung
Wir sterben
von Joesephine Links

Jurybegründung:

„Josephine Links schafft mit ihrem Film Wir sterben einen privaten sensiblen Einblick in die Gedankenwelt eines Menschen am Ende eines langen Lebens. Auf eine sanfte Weise dokumentiert die Filmemacherin die persönliche Bindung zu ihrer an Parkinson erkrankten Großmutter in intimen Bildern, deren visuelle Ästhetik tief berührt. Die Vertrautheit zwischen den beiden Frauen spiegelt sich in der Komposition der einzelnen Dialogsequenzen und ihrem Zusammenspiel mit den Bildern wieder. Der Film verliert sich dabei aber nicht in Traurigkeit. Auf eine leichte Art und Weise erzeugt der Film Hoffnung, indem er den immerwährenden Kreislauf der Generationen betont. Der Filmemacherin gelingt es das Thema Sterben auf eine würdevolle Weise und mit viel Wärme zu vermitteln.“

Golden Cube
Le ruine de regard / Die Ruine des Blicks von Anu Penannen

Jurybegründung:

„Die Videoinstallation La ruine du regard / Die Ruine des Blicks nimmt das Pariser Einkaufs- und Kulturzentrum Les Halles zum Ausgangspunkt einer architektonischen wie anthropologischen Untersuchung. Dabei werden nicht nur ein sensibles Bild des Ortes – und wie er bewohnt wird – gezeichnet, sondern auch aktuelle Tendenzen der französischen Politik gespiegelt. Die Aufteilung des filmischen Narrativs in 5 „Flächen“ wird durch die Installationsarchitektur unterstützt und zusätzlich werden neue Perspektiven, Subjektivitäten sowie Beziehungen gewonnen. Der Jury gefiel besonders der Umgang mit der sozialen Realität des Ortes, die präzisen Beobachtungen und die Übersetzung in den Ausstellungsraum, möchte jedoch darauf aufmerksam machen, dass eine Einzelpräsentation die künstlerische Arbeit stärker unterstützt hätte. Wir gratulieren Anu Pennanen und wünschen ihr weiterhin viel künstlerischen Mut und Eigensinn.“

Lobende Erwähnung
The Tenth Sentiment von Ryota Kuwakubo

Jurybegründung:

„Wie lässt sich Wirklichkeit ohne den Einsatz einer Kamera abbilden? Indem das Licht selbst zur Kamera wird, macht Ryota Kuwakubo nicht nur den Raum selbst, sondern auch den sich darin befindlichen Betrachter zum Bildträger. Durch die Transfiguration von Alltagsobjekten wird der Zuschauer in eine urbane Landschaft hinein versetzt. In der Tradition der Brüder Lumière werden Schatten animiert, eine dreidimensionale Welt in ein Spiel von Licht und Schatten verwandelt. Die Jury ist begeistert von der mit reduzierten Mitteln und höchster Effizienz inszenierten mitreißenden Arbeit und gratuliert herzlich.“

Das Leben besteht aus emotionalen Höhepunkten. Und menschlichen Dramen.

So klein. So groß. So Leben.

Perfekt kadriert. Perfekt montiert.

Wundervoll nah, ohne aufdringlich zu sein. Voller Respekt für seine Protagonisten und gleichsam entwaffnend.

Auf einem Standesamt in der polnischen Provinz wird Bürokratie menschlich.

Die ganze Welt in 25 Minuten.