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Six Apartments

Reynold Reynolds
transferiert von 16mm auf DVD / 2 Video-Projektoren, 2 DVD-Player, DVD-Synchroneinheit, 2 Lautsprecher, Verstärker, 12 Min.
Berlin 2008

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In seiner Arbeit „Six Apartments“ porträtiert Reynold Reynolds sechs isolierte Menschenleben. Die Videokamera folgt den Protagonist/innen durch ihren Alltag und ihre Wohnungen. Sie leben Seite an Seite, ungeachtet ihrer Nachbarn, während, allgemein formuliert, sich der Verfall auf Erden abzeichnet. Es geht in diesem Film exemplarisch sowohl um die Zerrüttung der porträtierten Menschen als auch deren alltäglichen Mittelpunkt, ihre Wohnung.

„Six Apartments“ ist ein poetisches Dokument über die Zersetzung und den Untergang, im physikalischen wie idealistischen Sinn. Der Film ist hypnotisch und melancholisch zugleich. Die Handlungen der Protagonist/innen erscheinen vor allem zu Beginn belanglos: Sie essen, wandern zwischen den Räumen hin und her, baden, schauen fern, hören Radio, schlafen. Durch die öffentlichen Berichterstattungsmedien wie Radio und Fernseher werden die Menschen über die Zerstörung des Planeten auf dem Laufenden gehalten. Jedoch scheinen sie sich daran nicht zu stören oder sich in ihren Abläufen beeinfl ussen zu lassen. Das Leben nimmt seinen Lauf. Je länger man den alltäglichen Gegebenheiten und Gepflogenheiten der sechs Personen folgt, desto mehr wird einem das existentielle Drama bewusst: Vereinzelung, Einsamkeit und Selbstzerstörung. Die kurz andauernde Normalität zu Beginn des Filmes weicht mit jeder neuen Szene dem unabwendbaren Chaos. Im Rhythmus des bedächtigen und einfältigen Alltags verändert sich das Leben der Protagonist/innen insofern, als der Aspekt des Untergangs immer deutlicher hervortritt. Die Betonung dieser andauernden Erosion und Transformation der Körper, der Gebäude, ja des Planeten wird vor allem auch in der raschen Verwesung von Getier und der Fäulnis von Esswaren sichtbar. Der potentielle Tod wird sozusagen in seinen materiellen Prozess visuell überführt.

Eine junge Frau holt sich Eiscreme aus der Küche, während in der parallelen Bildszene Ratten im Schnelldurchlauf verwesen. Eine Frau mittleren Alters sitzt in einem klinisch weißen Zimmer und ißt Brot von einem ebenso weißen Teller. Gleichzeitig hält ein Mann eine Albino-Schlange in den Händen und streichelt sie. In der nächsten Sequenz wühlt ein Messie seine Wohnung durch. Dazu hört man eine Tonspur aus dem Radio. Daraufhin sitzt ein dicker Mann schwer in seinem Sessel vor dem TV, während eine alte Frau sich etwas zu essen aus dem Kühlschrank nimmt. Sie lässt den Kühlschrank inklusive Gefrierfach weit geöffnet und wir werden Zeuge davon, wie die Esswaren in einem schnellen Prozess vergammeln. Die nächste Szene zeigt die anfänglich Eis essende junge Frau, wie sie sich in der Badewanne räkelt, würgt und nach Atem ringt. Weitere vergleichbare Situationen wechseln sich ab, bis sich nach zwölf Minuten der Film loopt.

Die Protagonist/innen sind Opfer einer Realität des körperlichen Verfalls wie auch ihrer eigenen psychologischen Versuche, in ihrer Passivität und Isolation den ewigen Kampf gegen den sich nähernden Tod zu akzeptieren. Das Potential des Lebens existiert schlußendlich nur im Prozess des Todes. Reynolds „Six Apartments“ mutet hoffnungslos an und ist eine große Geste der Melancholie, die den menschlichen Alltag begleitet.


Alexandra Blättler