Dokfest-Archiv

Das Dokfest-Archiv beinhaltet Online-Programminformationen ab dem 12. Kasseler Dokfest

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Vorwort

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Gemeinhin handelt es sich bei Titelblättern um eine diffizile Angelegenheit, sollen sie doch auf den ersten Blick von der Güte ihrer Nachricht überzeugen und weisen sie über sich hinaus auf das zu Erwartende. Zum Aushängeschild des 26. Kasseler Dokumentarfilm- und Videofests avanciert ein heimeliges Stückchen Wald - ein vertrautes, weil auch urdeutsches Sujet, das jedoch bei genauerem Hinsehen merkwürdig makellos erscheint. Zudem haben sich in ihm unübersehbar unterschiedlich große, bunte Kugeln eingenistet, die der Komposition eine skulpturale Nuance verleihen, die wiederum sich damit als ein Computermodell herausstellt. Dieses beruht auf objektiven Kriterien und dem künstlerischen Geist der diesjährigen gezeigten Arbeiten, die von ihren Macher/innen anhand verschiedener Parameter angegeben und eingeschätzt wurden. Die erhobenen Daten wurden in ein 3D-Koordinatensystem transferiert und visuell ausgewertet, um die mehrteilige Plastik erwachsen zu lassen; ihr unkalkulierbarer Gestaltungsprozess repräsentiert daher auch die Dynamik des Festivals. So ist eine Topographie des Kasseler Dokfestes entstanden, die sowohl seine Sektionen als auch deren aktuelle künstlerische Positionen wie Verzweigungen untereinander veranschaulicht.

Für die 26. Ausgabe des Kasseler Dokfestes haben wir aus 2.636 Einreichungen 237 internationale und nationale Produktionen gewählt, von denen 113 ihre Premiere erleben werden.
Das unvermindert starke Interesse, aktuelle dokumentarische und künstlerische Positionen bei uns zu zeigen und zu sehen, bestätigt uns in unserer bisherigen Arbeit und lässt uns optimistisch in die Zukunft blicken. Glücklich sind wir, dass uns die Stadt Kassel in diesem Jahr mit deutlich erhöhten Fördergeldern unterstützt, so dass wir erstmals die Vorbereitungen des Dokfestes mit finanziell gesichertem Fundament beginnen konnten; für uns Ansporn, das Festivalprofil noch attraktiver zu gestalten und zu erweitern. Neben den bewährten Sektionen gibt es in diesem Jahr erstmals in Zusammenarbeit mit der LPR Hessen ein filmpädagogisches Begleitprogramm für Jugendliche, das diese unter dem Titel „junges dokfest - Dokumentarfilm sehen und verstehen" für das Genre gewinnen möchte. Darüber hinaus bieten wir gemeinsam mit der hFMA für Film- und Medienstudierende hessischer Hochschulen den Workshop „Die Kunst des Pitching" an, um ihnen die Grundsätze der professionellen Projektvorstellung zu vermitteln. Auch wurden die Kooperationen mit unseren Partnerfestivals vertieft und erweitert, wie beispielsweise um das SalinaDocfest, das beim 26. Kasseler Dokfest seine aktuellen Hauptpreisträgerfilme vorstellt. Im Rahmen der Hochschulpräsentationen ist The Sam Spiegel Film & TV School aus Jerusalem zu Gast.
Als Projektpartner von mediaartbase.de präsentieren wir erste Arbeitsergebnisse sowie Fundstücke aus dem documenta Archiv, unter anderem von Arnold Bode. Des Weiteren diskutieren in diesem Rahmen Expert/innen über die Verwendung fremder Werke im Film.

Wie an den berührenden Grußworten zum Silbernen Jubiläum erkennbar wurde, verstehen nicht nur wir, sondern auch die Film- und Medienschaffenden das Kasseler Dokfest als Notwendigkeit im internationalen und nationalen Festivalbetrieb, um Arbeiten zu zeigen, die den Begriff des Dokumentarfilms - im besten Sinne - bis zum Äußersten strapazieren, ja herausfordern. So findet er zu klassischen, experimentellen, künstlerischen oder animierten Interpretationen. Auch das 26. Dokfest wird gegenwärtige Richtungen dokumentarischer Film- und Videokunst pointieren.
Zahlreiche Filmemacher/innen und Künstler/innen nehmen seit vielen Jahren Anteil an unserer Entwicklung wie es auch uns ein dringendes Anliegen ist, deren unterschiedlichste Wege zum Erfolg zu begleiten. Einige „alte Bekannte" seien an dieser Stelle genannt. Susanne Jäger erhielt 2005 den Goldenen Schlüssel für „Vater und Feind" und zeigt nun „Das Dschungelradio". Uli Stelzner präsentierte 1997 „Die Zivilisationsbringer" und stellt uns dieses Jahr „La Isla - Archive einer Tragödie" vor. Mischka Popp und Thomas Bergmann sind seit ihrem Beitrag von 1989, „Die Potemkinsche Stadt", häufige Gäste - wir freuen uns auf „Mazel Tov".
Von Anfang an haben wir uns auf die Fahnen geschrieben, das hessische Film- und Medienschaffen zu fördern und in einen internationalen Kontext zu verbringen - beim 26. Kasseler Dokfest macht es fabelhafte 20 Prozent des Programms aus.

Auch in diesem Jahr denken wir, ein spannendes, streitbares wie unterhaltsames Festivalprogramm geschnürt zu haben, das zur Diskussion differenter gesellschaftspolitischer Fragen veranlasst. Das Thema ‚Deutsche Vergangenheit und Gegenwart' nehmen unter anderem ins Visier „Die Herrenkinder", worin ehemalige Schüler über ihre Erfahrungen in den ‚Napola‘ berichten, sowie der Eröffnungsfilm „Die Anwälte - Eine deutsche Geschichte", der die Lebenswege der ehemaligen RAF-Anwälte Horst Mahler, Otto Schily und Christian Ströbele skizziert. In „Gesicht zur Wand" erzählen Flüchtlinge aus der DDR von ihrer persönlichen Odyssee in die Freiheit. Aktuelle deutsche Befindlichkeiten kommen darüber hinaus in „Zertifikat Deutsch", einer Produktion über den Einbürgerungstest, und dem Kurzfilmprogramm „Fallstudien", das die Problematik um Asyl und Menschenhandel ins Blickfeld rückt, zur Sprache.
Durch hohe Brisanz zeichnet sich der Themenschwerpunkt ‚Krieg' aus, dessen vielfältige Facetten wie Desertation, emotionale wie physische Versehrtheit und mediale Berichterstattung in „Fahnenflüchtig", „Mein Herz sieht schwarz - Eine Liebe in Kabul", „Waffen, Krieg und Körper" sowie „Fixer - The Taking of Ajmal Naqshbandi" aufgezeigt werden. Besonders erwähnt seien auch diejenigen Filme, die sich der spirituellen Lebenshilfe zuwenden: „Hinter der roten Linie" begleitet junge Menschen, die zum Islam konvertieren, „Korankinder" beleuchtet die meist verborgene Welt der Koranschulen in Pakistan. Dem pädagogischen Modeschlagwort des ‚Lebenslangen Lernens' nehmen sich „Der Die Das" sowie die Programme „Lernprozesse" und „Wert der Arbeit" an und legen die Schwierigkeiten seiner Anwendung offen. Sowohl „Die Kinder vom Friedrichshof" und „Das Summen der Insekten - Bericht einer Mumie" als auch die Kurzfilmkompilationen „Ende der Aufzeichnung" und „Selbst-Therapie" setzen sich mit Selbsttötung und Traumata auseinander - eine schwer aushaltbare, aber wichtige Kost. Zur Auflockerung empfehlen sich folgende filmische und künstlerische Positionen: „Die Strände von Agnés", „Die Frau mit den 5 Elefanten", „FILM IST. a girl & a gun" und das Kurzfilmprogramm „Mehrwert Kunst".

In diesem Jahr zeigt die Medienkunstausstellung Monitoring im Kasseler Kunstverein und KulturBahnhof 16 aktuelle Medieninstallationen von internationalen Künstler/innen, die aus fast 300 Einreichungen gewählt wurden. Die inhaltlichen Schwerpunkte liegen bei gesellschaftlichen Rollenmustern und Aspekten der Erinnerung, wobei die Medienkünstler/innen insbesondere deren mediale Beeinflussung interessiert.
Bei der Fachtagung interfiction lautet das aktuelle Motto playground : spielplatz; gemeinsam sollen alte und neue Spielplätze erkundet werden. Es werden Konzepte von Orten und Räumen für spielerische Strategien und Praktiken in digitalen und analogen Medien, Kultur und Kunst vorgestellt, die von Vertreter/innen verschiedener Disziplinen, so der Bildenden Kunst, Kultur- und Medienwissenschaften, Architektur und Stadtplanung wie des Game-Design, diskutiert werden.
Auch in diesem Jahr bietet sich den Besucher/innen die Möglichkeit, zu spätabendlicher Stunde in der außergewöhnlichen Atmosphäre der DokfestLounge audiovisuelle Performances internationaler VJ- und DJ-Künstler/innen zu genießen.

Wir erwarten zum 26. Kasseler Dokfest zahlreiche Regisseur/innen, Künstler/innen und Referent/innen, die vor Ort ihre Arbeiten und Positionen vorstellen und zum Meinungsaustausch bereit sind. Sie, verehrtes Publikum, sind weiterhin zur kritischen und diskussionsfreudigen Auseinandersetzung mit dem gebotenen Festivalprogramm aufgerufen. Wir wünschen anregende Unterhaltung!