junges dokfest
Jenseits von „Scripted-Reality“-Formaten, die Realität inszenieren und bestimmte Sichtweisen nahe legen, gibt es Dokumentarfilme, die einen unverstellten Blick auf die Welt bieten und Jugendliche ernst nehmen, ohne sie zu bevormunden. Genau an dieser Stelle setzt das filmpädagogische Begleitprogramm junges dokfest – Dokumentarfilm sehen und verstehen an. Es wird im Rahmen des Kasseler Dokumentarfilm- und Videofestes bereits im dritten Jahr gemeinsam mit der Hessischen Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien (LPR Hessen) durchgeführt.
Das filmpädagogische Begleitprogramm findet sowohl im Vorfeld als auch während des Festivals statt und verknüpft eine gezielte Vermittlung von Medienkompetenz mit einer internationalen Filmkultur, die während des Festivals zu Gast in Kassel ist. Somit richtet sich das Programm einerseits an Pädagog/innen, andererseits ist es das Ziel, Jugendliche für den Dokumentarfilm zu begeistern und im Umgang mit Medien zu sensibilisieren. Die Vermittlung von Medienkompetenz im Sinne eines präventiven Jugendmedienschutzes ist zudem eine zentrale Aufgabe der LPR Hessen, die eine Vielzahl medienpädagogischer Projekte initiiert und unterstützt; stets unter folgender Prämisse: Die gesetzlichen Jugendschutzregelungen allein können einen wirksamen Jugendmedienschutz nicht gewährleisten. Kinder und Jugendliche brauchen heute die Fähigkeit, sich selbst vor beeinträchtigenden Inhalten zu schützen und im Einzelfall mit diesen umgehen zu können.
Nicht nur das große Interesse junger Menschen an der Auseinandersetzung mit unterschiedlichen medialen Formaten; sondern auch am Austausch mit professionellen Filmemacher/innen hat die Kooperationspartner dazu veranlasst, das Angebotsspektrum auszubauen: Erstmals erweitern drei Jugendliche den Kreis der Jurymitglieder des A38-Produktions-Stipendiums, das von der LPR Hessen und der MSA gefördert und gemeinsam mit Werkleitz – Zentrum für Medienkunst vergeben wird. Ziel des Stipendiums ist die Schaffung eines neuen filmischen Werkes, das auch ein junges Filmpublikum anspricht und dieses mit ihren Themen und Interessen auf „Augenhöhe“ in das Dokfest 2012 einbindet.
junges dokfest – Dokumentarfilm sehen und verstehen ermöglicht somit auf unterschiedlichen Ebenen die Auseinandersetzung mit Themen, Besonderheiten und der ästhetischen Vielfalt des Dokumentarfilms. Darüber hinaus können die teilnehmenden Jugendlichen im Rahmen von Workshops und Screenings ihre Filmkompetenz schulen und unter professioneller Anleitung Kritiken zu ausgewählten Filmen des Festivals erarbeiten. Das Programm ist gezielt auf Jugendkulturen ausgerichtet und konfrontiert das junge Publikum mit Darstellungsformen jenseits herkömmlicher Mainstream-Formate. Einerseits werden individuelle Lebenssituationen portraitiert, andererseits die Verschränkung dokumentarischer und fiktionaler Darstellungsformen problematisiert.
Kooperationspartner
Die Hessische Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien (LPR Hessen) mit Sitz in Kassel ist eine Anstalt des öffentlichen Rechts. Zu den Aufgaben der LPR Hessen zählt neben der Lizensierung von Radio- und Fernsehveranstaltern und der Aufsicht über Rundfunk- und Telemedienangebote auch die Entwicklung der technischen Infrastruktur. Zudem betreibt die LPR Hessen die Medienprojektzentren Offener Kanal (MOK) und unterstützt nichtkommerzielle Lokalradios (NKL). Einer ihrer Arbeitsschwerpunkte liegt in der Förderung von Medienkompetenz, zu deren Vermittlung sie medienpädagogische Projekte in den Bereichen Radio/Audio, Fernsehen/Video, Computer/Internet und Handy initiiert und unterstützt. Zielgruppe der Medienkompetenzprojekte sind vorrangig Kinder, Jugendliche, Eltern sowie erwachsene Multiplikatoren im Bildungssektor.
Projektleitung
Carsten Siehl ist freier Medienpädagoge und Filmwissenschaftler. Seit 2003 ist er als Projektleiter u. a. für den Kooperationspartner LPR Hessen sowie das Deutsche Filminstitut tätig. Er bietet Seminare in Schulen zum Thema Medienkompetenz sowie Kurzfilmprojekte für Kinder und Jugendliche an. Carsten Siehl hat außerdem in zahlreichen praxisbezogenen Projekten (u. a. bei „Ränder meines Ichs", einem von der Kulturstiftung der Länder prämierten Medien-Projekt der Jakob-Grimm-Schule Kassel) und für unterschiedliche Filmfestivals gearbeitet (u. a. für das LUCAS Filmfestival in Frankfurt am Main und den Berlinale Talent Campus).
