Intro
Die Ausstellung Monitoring findet seit 1997 im Rahmen des Kasseler Dokumentarfilm- und Videofestes statt und befasst sich mit zeitgenössischen, raumbezogenen Positionen der Medienkunst.
14 Installationen von Künstler/innen aus sechs Ländern werden in diesem Jahr im Kasseler Kunstverein, im Kulturbahnhof und im Stellwerk präsentiert. Ausgewählt wurden diese Arbeiten aus mehr als 300 Einreichungen. Da vorab kein Thema festgelegt ist, kann die Ausstellung flexibel auf aktuelle Entwicklungen der Medienkunst reagieren und ein breites Spektrum abbilden.
Das betrifft sowohl die inhaltlichen Positionen und als auch den Einsatz technischer Medien. Schwerpunkt der Ausstellung sind raumbezogene Installationen, die sich von der einfachen Kinoprojektion abheben und neue Projektionsflächen suchen und erschaffen. Ob es umgebaute Reisekoffer in der Arbeit von Björn Perborg sind, die ihre animierten Bildergeschichten preisgeben, oder Licht- und Schattenspiele, die durch eine fahrende Modelleisenbahn in der Installation von Ryota Kowakubo auf die Ausstellungswände übertragen werden, diese Formen der Interaktion zwischen Videobildern und ihrem räumlichen Umfeld stellen ein besonders Verhältnis zum Betrachter her und lösen die frontale Auseinandersetzung mit Bildern auf. Aber auch das einfach projizierte Videobild, das sich aus kurzen, repetitiven und bewusst ausgewählten Intervallen zusammensetzt, kann eine skulpturale Qualität entwickeln, wie das zum Beispiel bei Stefan Panhans und Annika Larsson der Fall ist. In diesem Jahr steht die thematische Beschäftigung zahlreicher Künstler/innen mit filmanalytischen Ansätzen im Fokus.
Ein Großteil der Arbeiten setzt sich – ästhetisch und medial sehr vielfältig – mit dem kollektiven kinematografischen Bildergedächtnis auseinander, seziert es und „baut“ es wieder neu zusammen. Etablierte Sehgewohnheiten werden hinterfragt und Strukturen und Mechanismen der Bildgenerierung offengelegt. Als „künstlerische“ Medien bearbeiten sie ihre Themen nicht rein theoretisch oder analytisch, sondern finden eigenständige ästhetische Formen und Entsprechungen. Das geschieht durch den Einsatz der Schnitttechnik bei Christoph Girardet in der Auseinandersetzung mit dem Genre des deutschen Heimatfilmes der 1950er Jahre. Filmische Archetypen werden ins Blickfeld gerückt, wie die klassische Figur des Detektivs in unterschiedlichen Filmepochen in der Arbeit von Rebecca Ann Tess, oder die Verinnerlichung des Filmidols Rocky bei Jan Bode.
Alle ausgestellten Arbeiten sind für den mit 2.500 Euro dotierten Golden Cube nominiert, den Preis für die beste Medieninstallation, gestiftet von dem Kasseler Softwareunternehmen Micromata GmbH.