Aus dem Ort gefallen
Freitag 11.11.2011 / 11:15 h / BALi Kinos
Orte, Nicht-Orte, unwirkliche Orte, wie sie überall und nirgendwo sein könnten. Orte, die sich weder zeitlich noch geographisch zuordnen lassen und scheinbar ihre Verbindung zur Realität verloren haben. Das Auge erfasst zwar die Dimensionen dieser Räume, doch ist es unmöglich, sie zu verorten. Sie scheinen sich im Transit zu befinden, aus allen Kategorien herauszufallen, ein Eigenleben zu führen und nur ihnen selbst bekannten Regeln und Bestimmungen zu folgen. Acht seltsame Orte und surreale Räume, die schwerelos in der Luft zu hängen scheinen: abstrakt, traumhaft und skurril.
House
300 herrenlose Fertighäuser aus Holz stehen sorgsam aufgereiht, abholbereit und nutzlos in der Landschaft. Typische „Queensland“-Häuser, bereit für die Nutzung als Büro, Hostel, Schulgebäude oder Privathaus. Ein temporärer Parkplatz für Geschäftsmodelle und Träume.
Kursdorf
„Kursdorf ist eine idyllisch gelegene Ortschaft am westlichen Rand von Sachsen, sorgsam umschlossen von den beiden Start- und Landebahnen des Flughafens Leipzig-Halle, einer ICE-Strecke und dem Schkeuditzer Autobahnkreuz.“ (www.kursdorf.net)
Untersuchung des Abwesenden
Eine 3D-Videoanimation des Palastes der Republik, ehemaliger Sitz der Volkskammer der DDR, welcher 2006 komplett abgerissen wurde. Gegenstand des Videos ist die Geschichtsverarbeitung. Die digitale Rekonstruktion baut auf interaktive und performative Aktionen auf, welche die Wahrnehmung des Palastes verändern. Ein Thema, das sich in keiner finalen Form festigt, aber unbestimmt zwischen Darstellung und Realität verbleibt, zwischen Substanz und Bedeutung.
Tree in downtown New York covered in ticker tape debris. Photographer: Brian Doyle
Current (Reprise)
Menschenleere Straßen und Häuserschluchten, Übertragungswagen, Satellitenschüsseln, Helikopter und überall Papier im Wind. Leere, Beton und das apokalyptische Bild einer Großstadt. CURRENT (REPRISE) entstand in Anlehnung an Brian Doyles Arbeit „Current (Slandance 2003)“ und dokumentiert auf ungewöhnliche Weise die erste Konfettiparade in New York nach den Anschlägen auf das World Trade Center.
Surpriseville
„Surprise“ ist eine Retortenstadt und Gated Community in Arizona, USA. Hier ist alles druchgeplant und das Leben der Bewohner bis ins kleinste Detail geregelt. Eine Stadt im Nirgendwo, gleichförmig ruhig - und vor allem sicher.
Couresy of Inger Lise Hansen and LUX, London
Travelling Fields
Ungewöhnliche Kameraeinstellungen und Perspektiven erfinden eine neue Topographie. Die an sich schon abstrakt wirkenden Ruinen einer Zivilisation erscheinen absonderlich und kurios. Die bekannte Geographie wird entkontextualisiert und auf den Kopf gestellt.
Atelier
Ein klassischer Western-Showdown in einer Künstlerwerkstatt. Alltagsgegenstände wie Fenster, Stühle und Tische werden durch die Kamerafahrten zum Setting einer sich bis ins Äußerste steigernden Schießerei. Der wahllos erscheinende Ort wird durch die Tonspur in einen neuen Kontext gerückt und zum geheimen Hauptdarsteller ernannt.
Topography of Trousers and Sleeves
Eine experimentelle Interaktion mit einem Raum erforscht die menschliche Anpassungsfähigkeit und physikalische Beschaffenheit der Objekte. Der Versuchsaufbau lehnt sich an Filme aus den 1950er Jahren an, in denen die Protagonisten eine Bar betreten, interagieren und gleich wieder gehen. Die Künstler erkunden die nicht gezeigten Momente dazwischen.