Arbeitskraft
Mittwoch 9.11.2011 / 20:00 h / Filmladen
Bei „Arbeitskraft“ kann man an Muskeln denken, oder auch an nüchterne Definitionen wie diese: „Was dem Geldbesitzer auf dem Warenmarkt direkt gegenüber tritt, ist nicht die Arbeit, sondern der Arbeiter. Was letzterer verkauft, ist seine Arbeitskraft. Sobald seine Arbeit wirklich beginnt, hat sie bereits aufgehört, ihm zu gehören.“ (Karl Marx, „Das Kapital“). Schnee von gestern? Dem Gemeinplatz vom „Verschwinden der Arbeit“ begegnen die Filme dieses Programms mit fünf Perspektiven auf das, was heute Arbeit ist – vom liebevollen Holzhandwerk bis zur Drecksarbeit am Ende der Recyclingkette.
Hombre máquina
Die Prämisse ist einfach: körperliche Arbeit zu filmen, um zu begreifen, wie ein Mensch zur Maschine wird, wenn er oder sie zwölf Stunden am Tag die gleichen Bewegungen ausführt. Kein neues Thema, aber was besagt es über diese Welt, dass es noch immer aktuell ist? „Es gibt keine Maschine, die Etiketten von leeren Plastikflaschen kratzt“, sagt ein Mädchen und erklärt damit, warum sie es machen muss, zehn Stunden am Tag. Warum gibt es eine solche Maschine in Bangladesh nicht? Und was würde das Mädchen tun, wenn es sie gäbe?
Guañape Sur
Zu den wenigen Worten, die aus der Sprache der Inkas überlebt haben, gehört „Guano“ - Pinguinkot. Potentes Düngemittel, aber auch eine Zutat in der Sprengstoffproduktion. „Guañape Sur“ ist der Name eines Felsmonoliths vor der peruanischen Küste, auf dem zigtausend Seevögel leben und Guano produzieren. Einmal alle elf Jahre werden Arbeiter auf die Insel geschifft, um den teuren Shit vom Gestein zu kratzen. Eine gefährliche Arbeit, eine Drecksarbeit, eine Arbeit, die krank macht.
Regeneration
Wenn Filme riechen könnten, würde es hier nach Holz duften. Nach frisch gehobelten Brettern, nach Dielen in der Sonne und nach dem komplexen Geruch, den fünfhundert Jahre alte Balken von sich geben. Vincent Hilton lebt mit seiner Tochter in einem Schweizer Bergdorf. Der gebürtige Engländer ist Tischler und pflanzt für jeden Baum, den er fällt, einen neuen. Das Mädchen klettert, näht und spielt Schlagzeug. Gemeinsam haben sie eine Blues-Band. Alles im Leben der beiden scheint angetrieben von einer großen Sehnsucht. Aber man spürt auch eine Einsamkeit, die sie dabei umgibt.
Workers Leaving the Googleplex
Internet meets Realwirtschaft. Als Angestellter eines Software Unternehmens ist Andrew Norman Wilson an der Produktion eines Imagevideos über den Google Konzern beteiligt. Rasch tauchen Hindernisse auf, die den Verdacht nahe legen, dass Google bei der Wahrung seiner Geschäfts- und Sicherheitsinteressen wenig zimperlich zu Werk geht. Während WORKERS LEAVING GOOGLEPLEX versucht, ein diskriminierendes „Kastensystem“ in der Google-Belegschaft aufzudecken, dokumentiert das Video gleichzeitig die Vorgänge, die schließlich zu Wilsons eigener Entlassung führten.
Miten marjoja poimitaan
Es liegt was in der Luft oder ist der Blick getrübt? In einer Landschaft im finnischen Norden sind Fremde aufgetaucht, die den Einheimischen die Beeren wegpflücken. Etwas ist aus der Balance geraten, der Frieden ist gestört, man hört ungute Dinge und denkt sich den Rest. Was eine Provinz-Posse werden könnte, entwickelt sich zu einer kleinen Geschichte über die ernüchternden Wahrheiten der Konkurrenzwirtschaft.