Ikonographie des Krieges
Mittwoch 9.11.2011 / 13:15 h / BALi Kinos
Erfahrungen mit und Erinnerungen an den Krieg sind etwas sehr Persönliches. Jeder kennt die Bilder der medialen Berichterstattung, doch das Erlebte spielt sich in einer ganz anderen Ebene des menschlichen Bewusstseins ab. In dieser Dimension der Gewalt und Grausamkeit hat kein Außenstehender Zutritt und selbst intensivste Gefühle und Beschreibungen vermitteln nur eine präzise Vorstellung.
Rêve du 1er avril 1999
Ein kleiner Junge läuft verloren im Wald umher. Ein schwarzes Ungeheuer erscheint und nimmt ihn an die Hand, um ihn zu den Büchern zu führen, die in seine Seele blicken.
Molf-e Gand
Die längste Plansequenz der iranischen Filmgeschichte. Ohne Schnitt und in einer Einstellung wird Mohammad gefilmt, wie er von seiner Kindheit während des Iran-Irak-Krieges in den 80er Jahren erzählt. „Kein Film kommt an die Szenen heran, die wir im Krieg gesehen haben. Krieg ist schmutzig, nicht interessant!", berichtet er und drückt dies mit kraftvollen Gesten und emotionsgeladener Mimik aus, die uns in den Bann zieht. So mischt sich der Schmerz der Erinnerung mit der Schönheit der sprachlichen und körperlichen Expression zu einer Hommage an das Trauma einer ganzen Generation.
Courtesy of People Like Us and LUX, London
The Sound of the End of Music
Bergidyll und Bombardement, Zweiter Weltkrieg und Vietnamkrieg, zwei Hollywoodfilme übereinandergelegt, werden zu einer Bild-Sound-Collage, die mehr ergibt als die Summe aus zwei Teilen.
I'm not the Enemy
I'M NOT THE ENEMY erzählt von einem Kriegsrückkehrer, der in der heimatlichen Umgebung befremdet und eher hilflos einer fast psychotischen Familiensituation gegenübersteht und der keinen Halt mehr findet in einer Gesellschaft, der der reale Kriegszustand fremd und vielleicht sogar egal ist. Die Stimmen sind aus hauptsächlich amerikanischen Vietnamveteranenfilmen entnommen und verweisen so auf das schon einmal von einer Gesellschaft durchlebte Trauma und dessen mediale Aufarbeitung.