Seelentaucher
Mittwoch 9.11.2011 / 15:15 h / BALi Kinos
Das Abtauchen in unbekannte, oft unergründliche Tiefen ist für uns Menschen eine Herausforderung, derer es einer sorgfältigen Planung und Durchführung bedarf. Technisches Equipment dient uns dabei, Neugierde und Forscherdrang zu stillen, um nach dem Auftauchen neue Erkenntnisse zu besitzen. Die Filmemacherinnen dieses Programms möchten der Seele und Erinnerung ihrer Protagonisten auf den Grund gehen. Die Kamera ist ihr technisches Hilfsmittel. Ihre Entdeckungen gehen unter die Haut und geben dabei auch einen Blick auf ihre eigene Seelengeschichte frei.
Himmel voller Geigen
Irmgard Hitzig ist 89, bald wird sie 90 Jahre alt werden. Sie wohnt ganz allein und verlässt eigentlich nie das Haus. Dafür bekommt Frau Hitzig jeden Tag Besuch von ihren Schülern. Sie unterrichtet immer noch Geige und spielt selbst leidenschaftlich seit 78 Jahren. HIMMEL VOLLER GEIGEN ist aber nicht nur ein Film über die alte Dame und ihre Lebensgeschichte. Vielmehr entsteht ein charmanter Dialog zwischen Filmemacherin und Protagonistin. Neugierig und aufmerksam hören sie einander zu und kommen sich näher. Ein Dokumentarfilm, der zwei Generationen und Kulturen liebevoll zusammenbringt.
Marie
Marie ist das jüngste von drei Geschwistern und kommt mit einem Herzfehler zur Welt. Sie leidet unter der „Blaues Kind“-Krankheit, einem Loch im Herzen. An ihrem dritten Geburtstag macht ihr die Familie ein ganz besonderes Geschenk. Sie bekommt einen roten Kinderregenschirm. Als es am nächsten Tag regnet, möchte Marie etwas ausprobieren und wagt sich alleine hinaus.
10 Jahre
Zehn Jahre nach dem Tod des Vaters betritt die Filmemacherin mit der Kamera jene familiäre Tabuzone, in der der Schmerz über den Verlust eine Aufarbeitung immer noch erschwert. In den eigenen Erinnerungen sowie denen ihrer Mutter und Geschwister wird dieser Sterbetag protokolliert, das Trauma aufgearbeitet, aber niemand will dabei gefilmt werden. Der Schmerz erhält kein Gesicht. So untersucht der Film die leeren Räume und Orte des Geschehens, rekonstruiert jenen Tag aus den Erzählungen der einzelnen Familienmitglieder, wagt sich vor in die bildlose Sphäre von Trauer und Verlust.