Wie wir wurden, was wir sind
Mittwoch 9.11.2011 / 17:30 h / BALi Kinos
Das, was einen Menschen prägt, liegt oft in der Kindheit oder in der Vergangenheit der eigenen Familie begründet. Die Erinnerung kann die kollektive Geschichte entweder aufbewahren und damit für die Zukunft sichern oder durch eine festgeschriebene, unabänderbare Konstruktion verklären und damit zum Relikt machen. Dieses Programm zeigt drei sehr persönliche Auseinandersetzungen mit Familiengeschichte, Vergangenheit und Herkunft, mit jüdischer und donauschwäbischer Identität, mit Heimat und Diaspora, die Klischees aufbrechen und die jeweils eigene Kultur in Frage stellen.
CAMP
Eine sehr persönliche und provokante Auseinandersetzung mit jüdischer Vergangenheit und der Identität in der Diaspora. Der Begriff „Camp“ kann im Englischen unterschiedliche Bedeutungen haben und hier werden in drei Kapiteln diese Bedeutungsunterschiede herausgearbeitet. Kollektive und persönliche Erinnerungen stehen gegeneinander: eine queere und politisierte Version der Purim-Geschichte, die zensierten Stellen aus Anne Franks Tagebuch und ein Versuch, den eigenen Großvater über persönliche Vergangenheit und politische Gegenwart zu befragen.
Eine Anleitung, um die Vergangenheit zu ändern
In ihrem autobiographischen Essayfilm macht sich die Filmemacherin selbst zum Objekt ihrer Untersuchung von Erinnerung und Selbstkonstruktion. Dafür erforscht sie ihren Familienhintergrund und ihre donauschwäbischen Wurzeln auf mehreren Ebenen. Mit investigativ inszeniertem Dokumentarmaterial, Found Footage und Filmmaterial des Familienarchivs erzählt sie ihre persönliche Geschichte des Erwachsenwerdens. Der Film bearbeitet Konzepte von Heimat als geopolitischen Ort oder als einen komplexeren, inneren, emotionalen Ort.
Engelmann reist nicht nur durch ihre persönliche Geschichte, befragt Familienmitglieder und eine Ethnologin des Donauschwäbischen Zentralmuseums, sie fährt sogar zu einer donauschwäbischen Kolonie nach Brasilien. An den letzten Ort weltweit, an dem noch heute der Dialekt ihrer Urgroßmutter gesprochen wird.
Ein philosophischer und humorvoller Film, der mit dem Versuch, die kulturellen Wurzeln im Jetzt zu verankern, endet und zum Trachtentanz in der Diskothek einlädt.
10 short documentaries about my childhood home
In jeder Familie gibt es Reibereien und Rivalitäten unter Geschwistern, die sich anscheinend nie auswachsen. Als die Mutter ins Altersheim ziehen muss, bringt das die Töchter zusammen, die das Heim der Familie und damit die Erinnerungen auf- und ausräumen. Die Regisseurin ist selbst Protagonistin und in Brechtschen Verfremdungen mit Masken und Familienphotos stellt sie ihre eigene Rolle innerhalb der Familie in Frage. Ein intimes Portrait über Familienbeziehungen, Kindheit und den Verlauf der Zeit.