Der Papst ist kein Jeansboy
Sonntag 13.11.2011 / 22:15 h / Gloria Kino
Der Papst ist kein Jeansboy
Regie: Sobo Swobodnik
Produktion: Patrick G. Schmitt, Sobo Swobodnik
Kamera: Sobo Swobodnik
Deutschland, / 01:14:00 / deutsch / none
Sobo Swobodnik zeigt in DER PAPST IST KEIN JEANSBOY die Lebenssituation von Hermes Phettberg. Er beobachtet und inszeniert den eigenwilligen Österreicher beim Überleben, dem täglichen Kampf des früheren Stars, der zum bevormundeten Außenseiter wurde. Gezeichnet von drei Schlaganfällen, einem Herzinfarkt und extremer Blasenschwäche, mit unbändigem Willen zu leben, entfaltet sich Phettberg in einer filmischen Intervention in schwarz-weiß. Auf dem Kreuzweg in zwölf Stationen ist der voyeuristische Zuschauer dem totalen Exhibitionismus ausgesetzt – audiovisuell und emotional.
Der Schauspieler, Kolumnist, Autor, Moderator, gescheiterte Pastoralassistent, bekennende schwule Sadomasochist, das Gesamtkunstwerk Phettberg, der schon immer sein Leben, sein Leiden an sich und der Welt schonungslos offen thematisierte wie kaum ein anderer, gibt Einblick in sein derzeitiges Dasein, sein Leben; auch sein langsames Sterben. Ein Leben, das inzwischen vor allem von Verlust geprägt ist: seines Geldes, seiner Zuschauer, seiner Gesundheit, seines Gewichts, seiner Sprache. Und dennoch ist er ein charismatischer „Scheiterhaufen“ (wie er sich selbst bezeichnet) geblieben, der sein langsam vergehendes Leben als bekanntester Sozialhilfeempfänger Österreichs täglich im Internet und in der wöchentlichen Kolumne im Wiener Falter dokumentiert.
Im Film wird auf allen Ebenen, formal und inhaltlich, ein Dialog angestrebt: zwischen Unschärfe und schwarz-weiß, Josef Hader aus dem Off, der Phettberg seine Stimme leiht, zwischen dem vergessenen Individuum, dem intakten, wachen Intellekt und dem kranken, maladen Körper, zwischen Leben und Sterben. DER PAPST IST KEIN JEANSBOY ist ein außergewöhnlicher Film über das Ende des Lebens und zugleich eine Hommage an die Schönheit und Einmaligkeit der Existenz. Eine groß(artig)e Unterhaltung über die Dialektik zwischen leben wollen, aber sterben müssen.