Fiktionsbescheinigung
Sonntag 13.11.2011 / 17:30 h / BALi Kinos
„Fiktionsbescheinigung“ ist ein Begriff aus dem deutschen Ausländerrecht. Er bezeichnet einen Aufenthaltstitel, den jemand bekommt, über dessen Rechtsstatus noch nicht abschließend entschieden ist. In diesem Doppelprogramm werden zwei Fiktionen befragt, die den Rechtsraum Europa definieren: die Grenze und die Identität. Während EXIT die vermeintlich eindeutigen Grenzziehungen Europas demontiert, erzählt IMAGINING EMANUEL die Geschichte eines Mannes, dem es gelungen ist, diese Grenzen zu überwinden. Aber welche Grenzen, und was ist seine Geschichte?
EXIT
Man wird sich noch erinnern, wie in Europa eine nach der anderen die Grenzen wegfielen oder unsichtbar wurden. Dass man nun durchfahren durfte, wo man früher anhalten musste und kontrolliert wurde. Bruno Goosse begibt sich gewissermaßen auf die Suche nach diesen ausgemusterten Grenzen, denn verschwunden sind sie ja nicht. Sein Film ist ein Roadmovie von einer Grenze zur anderen. Manche sieht man, manche muss man sich zeigen lassen, und manche haben sich zwischen zwei Aufnahmen verschoben. Mit ruhiger Hand und einfachen, berechtigten Fragen demontiert EXIT ein Konstrukt, das Europa angeblich schützt, definiert und zusammenhält.
Imagining Emanuel
Emanuel ist in Liberia geboren und kam als Bürgerkriegsflüchtling nach Norwegen. Hier hat er 2003 Asyl beantragt, das ihm jedoch bis heute mit der Begründung verwehrt wird, man glaube ihm seine Geschichte nicht. IMAGINING EMANUEL setzt bei diesem Unglauben an, bei der Weigerung, einem Menschen seine Geschichte zu glauben. In zehn Kapiteln umkreist der Film einen Fall, der Schlagzeilen machte, weil die norwegische Polizei erfolglos versuchte, Emanuel nach Ghana abzuschieben, in ein Land, das nicht das seine ist und das ihn auch nicht haben wollte. Der Film versucht nicht zu beweisen, dass Emanuels Geschichte der Wahrheit entspricht. Vielmehr untersucht IMAGINING EMANUEL das Feld, auf dem diese Frage verhandelt wird. Es geht nicht darum, welche Geschichte die wahre ist, sondern wer darüber bestimmt und nach welchen Kriterien diese Frage entschieden wird. Und natürlich geht es bei alledem um den Skandal, dass sich ein Verwaltungsapparat anmaßt, die Identität eines Menschen nach eigenen Maßstäben zu definieren. Das jedoch ist eine Situation, in der sich jeder befindet, der irgendwo Staatsbürger ist. Nur fällt es den meisten nicht auf, wenn sie nicht in die Lage geraten, andernorts um Asyl zu ersuchen.