Generation Kunduz - Der Krieg der Anderen
Sonntag 13.11.2011 / 15:00 h / Filmladen
Generation Kunduz - Der Krieg der Anderen
Regie: Martin Gerner
Produktion: Martin Gerner
Kamera: Resa Asarshahab, Ali Husseini, Karim Amin, Aziz Deldar, Martin Gerner
Deutschland, / 01:20:00 / afghanisches persisch / englische UT
Mirwais ist zehn Jahre und reflektiert über den Krieg fast wie ein Erwachsener. Nazanin kämpft als Lokalreporterin für Gleichberechtigung – und muss doch die Burka tragen. Student Hasib träumt von freien Wahlen. Und Ghulam und Khatera drehen mitten im bewaffneten Konflikt einen Film. Die Geschichte von fünf jungen Menschen in Kunduz, ihren Sorgen, Nöten und Träumen erzählt der Film. Eine junge Generation zwischen Taliban und ausländischem Militär sehnt sich nach einem „arabischen Frühling“ am Hindukusch. Doch ständig ist der Aufbruch in Gefahr, gerät der Alltag zur Gratwanderung.
Am Ort der Bombardierung zweier von Taliban entführter Tanklaster 2009 wird das Verhalten der ausländischen Soldaten kritisch beäugt – wenn sie mit ihren Fahrzeugen so über die Straßen brettern, dass die Zivilbevölkerung zur Seite springen muss oder gar verletzt wird, trägt das nicht gerade zu einer Verbesserung der Stimmung bei. Aber auch Hilfsaktionen bzw. deren Zielgerichtetheit werden bezüglich ihrer Sinnhaftigkeit hinterfragt. Wo landen sie und wem nützen sie wirklich? Jenseits aller missionarischen Verbesserungsansätze kommen in GENERATION KUNDUZ tatsächlich diejenigen zu Wort, die es betrifft: die afghanischen Bürger, deren Alltag durch diesen „Krieg der anderen“ geprägt ist.
Seit 2004 ist Regisseur Martin Gerner selber als Afghanistan-Korrespondent u.a. für ARD, Deutsche Welle und Deutschlandradio sowie überregionale Printmedien tätig. So hat er im Laufe der Jahre vor Ort einen guten Einblick in das Alltagsleben im Krisengebiet bekommen und die zivile Bevölkerung dort kennengelernt. Entsprechend zeigt der Film die „normalen Menschen“ aus einer Innenperspektive, als Gegenstück zum Blick von außen auf die Geschehnisse, wie sie die mediale Berichterstattung im Vorabendprogramm transportiert.
„Kunduz – vor 2001 ein Zentrum der Taliban-Bewegung - blieb nach der US-Militärintervention bis 2007 relativ ruhig. Seitdem machen das Wiedererstarken bewaffneter Regierungsgegner und der Truppenausbau von NATO-, US- und afghanischen Streitkräften Kunduz zu einem umkämpften Schauplatz. 2009 befahl ein deutscher Offizier hier die Bombardierung zweier von Taliban entführter Tanklaster. Mindestens 90 Menschen kamen dabei ums Leben. Aber bis heute fehlt ein authentisches Bild von den Menschen in Kunduz. Autor und Team haben deshalb den direkten Kontakt mit der Bevölkerung gesucht – Begegnungen, die unser eigenes Afghanistan-Bild hinterfragen.“ (Martin Gerner)