Halbwertszeit
Sonntag 13.11.2011 / 11:15 h / BALi Kinos
Hiroshima, Tschernobyl und Fukushima - die Namen dieser Orte stehen für den unkritischen Glauben des Menschen an die Atomenergie und die größenwahnsinnigen Versuche ihrer militärischen und technischen Nutzung. Die Bilder des Atombomben-Doms in Hiroshima, des Schornsteins von Reaktor 4 in Tschernobyl und der Explosionswolke über Fukishima sind tief in das kollektive Gedächtnis eingeschrieben, Ikonen atomarer Katastrophen. Die drei Filme dieses Programms beleuchten die Aus- und Nachwirkungen der größten atomaren Desaster dieses Planeten auf den Menschen und seine Umwelt.
neon no kuni
Die Filmemacherin reist im April 2011 kaum vier Wochen nach dem Reaktorunfall in Fukushima zum Begräbnis ihrer Großmutter nach Tokio. Während die Massenmedien über die Katastrophe und die radioaktive Verseuchung berichten, erlebt sie eine aus Stromknappheit fast lichtlose Nacht in Tokio, eine große Demonstration in der Innenstadt und ihre Familie unter blühenden Kirschbäumen. Die Angst ist im Alltag unsichtbar, aber sie ist jetzt zu spüren, im Land des Neonlichts.
Inspiriert wurde der Film durch das Video-Projekt „Between Yesterday & Tomorrow": http://solchord.jp/byt/index.html
Couresy of David Blandy and LUX, London
Child of the Atom
In der Familie des Regisseurs David Blandy gibt es einen Mythos, der besagt, dass sein Großvater die japanische Kriegsgefangenschaft nicht überlebt hätte, wäre die Atombombe über Hiroshima nicht abgeworfen worden. Dies lässt den Autor zu dem Schluss kommen, dass er seine Existenz einem der schrecklichsten Ereignisse der Menschheitsgeschichte und dem Tod von 110.000 Menschen zu verdanken hat. Ausgelöst von einem tiefliegenden Schuldgefühl über die eigene Existenz und die seiner Tochter, reist Blandy mit seiner kleinen Tochter nach Hiroshima, wo er symbolisch und konkret nach seinen eigenen Wurzeln sucht.
Chernobyl Forever
Der Reaktorunfall in Tschernobyl ist 25 Jahre her. Es ist allgemein wenig bekannt, dass seitdem Tausende von Arbeitern damit beschäftigt sind, die immer noch strahlenden Überreste abzuschirmen und zu verwalten. Die Konstruktion eines neuen Stahl-Sarkophags für den Reaktor 4 wird bis zur voraussichtlichen Fertigstellung im Jahr 2014 2,5 Millionen Euro gekostet haben. Aber was passiert danach? Wer kommt für die hohen Unterhaltskosten des Konstrukts auf und für wie lange? Die anhaltenden Folgen des Unfalls von 1986 werden in der Öffentlichkeit kaum diskutiert. Allein 2,2 Millionen Menschen brauchen weiter medizinische Nachsorge. Und die Ukraine plant den Bau von 22 neuen Kernkraftwerken. CHERNOBYL FOREVER begleitet eine Gruppe von Jugendlichen in die verbotene „Zone“ rund um den Reaktor 4. Mit Bildern aus dem Videospiel „Stalker“, das die „Zone“ detailgetreu abbildet, Statements von Ingenieuren, Umweltmedizinern, Arbeitern auf dem Reaktor-Gelände, Wissenschaftlern und den selbst betroffenen Jugendlichen entwirft der Film ein differenziertes Bild der Problematik und der Gefahr, die Tschernobyl weiterhin bedeutet.