Hochschulportrait - FAMU
Sonntag 13.11.2011 / 15:30 h / BALi Kinos
In der Reihe der Hochschulportraits präsentiert das Kasseler Dokfest in diesem Jahr die Film- und Fernsehfakultät der Akademie der musischen Künste (kurz FAMU) in Prag. In der Vergangenheit war die FAMU immer wieder mit Filmen im Programm vertreten – im letzten Jahr gewann die FAMU-Studentin Viera Cákanyová mit ihrem Film ALDA den Goldenen Schlüssel. Die sechs folgenden Filme sind im letzten Jahr an der FAMU produziert worden.
Bod H.
Ein experimenteller Kurzfilm, der sich auf abstrakte Weise mit dem beschäftigt, was ein Drogenabhängiger möglicherweise fühlt und denkt, wenn er sich zum Entzug entschlossen hat oder dazu gezwungen wurde. Konzept ist die Verlesung eines Fragebogens, der zu Beginn der Behandlung bearbeitet wird. Im Zusammenspiel von Bildern, Geräuschen und Ton entsteht ein eindrückliches Portrait.
Advent
Dieser nachinszenierte Dokumentarfilm aus den Randgebieten des vorweihnachtlichen Prags schildert eine Nacht und einen Morgen im Leben von sechs verlorenen Charakteren, die ihren Platz in der Welt des 21. Jahrhunderts noch nicht gefunden oder wieder verloren haben. Offene und unterschwellige Wunden werden mit Drogen, Alkohol, Sex, Pornografie, Essen und Popmusik zu heilen oder zu überdecken versucht. Ein Film, der gleichzeitig die Verlorenheit und Traurigkeit der Figuren erfasst, und dennoch überstilisiert, melodramatisch und gerade zu farbenfroh ist.
Ale jak truchlivý
Momente im Leben realer Menschen im heutigen Paris verbinden sich mit den Worten des tschechischen Schriftstellers Milan Kundera zu Assoziationen voll Poesie und Dramatik.
Pohádka z cukřenky
Eine Insel lag im Meer und auf der Insel waren zwei Länder, in jedem Land gab es drei Berge und auf jedem dieser Berge standen vier Schlösser… Ein Zählreim für Kinder, die filmische Umsetzung eines Bilderbuchs, oder steckt doch mehr dahinter?
Rostoprostý Zasekletec
IMAGINEER – der englische Titel eine Verbindung der Begriffe „Image“ oder „Imagination“ und „Engineer“ – portraitiert den tschechischen Künstler Petr Nikl, der die Ausbünde seiner Phantasie und sein zum Teil kindliches Gemüt in beeindruckende Malerei, Bildhauerei, Musik und Performances verwandelt. Nikl ist spontan in seiner Kunst, manchmal an der Grenze zur Albernheit auf kreative Art „verrückt“. Er will seine Landsmänner ermutigen, die Welt aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten: mit der Realität zu spielen, um sie dadurch besser zu verstehen.
Nach einem Umzug nach New York stellt sich für Nikl die Frage, ob er in einer Stadt, die in ihrem kreativen Potential und ihrem „ganz normalen Wahnsinn“ so ganz anders ist als Prag, überhaupt in der Lage sein wird, einen Platz für sich und seine Kunst zu finden.
Vyhmátnout, Vomakat, Pochopit
Eine kurze, beeindruckende Begegnung mit dem über 90-jährigen Neurologen Karel Lewit und ein Gespräch über moderne Medizin, die Pharmaindustrie und den Umgang mit Patienten. Trotz seiner Profession, die sich mittlerweile weit vom tatsächlichen Körper des Patienten wegbewegt hat, vertritt Lewit einen ganzheitlichen Ansatz zur Lösung neurologischer Probleme: anfassen, verstehen, behandeln – mit erstaunlichen Ergebnissen.