Vektor
Goran Galic / Gian-Reto Gredig
Video-Projektor, Computer, 2 Lautsprecher, Verstärker 22:20 Min. / Monitor, DVD-Player, 2 Lautsprecher, 10:28 Min. / 2 Grafiken /
Zürich 2007
2005 haben Goran Galic (*1977, Fotograf) und Gian-Reto Gredig (*1976, Ethnologe und Filmer) mit ihrer ersten gemeinsamen Arbeit „Ma bice bolje – wird schon wieder“ (2001-2005) auf sich aufmerksam gemacht. Mittels Fotografie, Text und Video konstruierten sie ein vielschichtiges Geflecht aus Bilddokumenten, Erzählungen und persönlichen Erinnerungen, aus dem sich ein fragmentarisches und bewusst subjektives Bild des heutigen Bosnien-Herzegowina zusammenfügt. In ihren Arbeiten untersuchen sie gerade durch den Gebrauch dieser Medien – Fotografie, Text, Video – deren Verwendung in der Berichterstattung: Es wird damit insbesondere die Rolle der – nicht nur in Kriegszeiten – zu manipulatorischen Zwecken missbrauchten Fotografie problematisiert und die grundsätzliche Frage nach der Darstellbarkeit der Realität durch Fotografie gestellt.
In ihrer zweiten gemeinsamen Arbeit „Photographers in Conflict“ (2007) widmen sich die beiden Künstler denjenigen Protagonisten, deren Bilder aus Konflikt- und Katastrophengebieten täglich um die Welt gehen. Um die asymmetrische (Macht-) Beziehung zwischen Bildproduzent und Abgebildeten einmal umzukehren, wurden die Fotojournalisten im Stile historischer Porträts von Machthabern fotografi ert und nach einem festgelegten Fragenkatalog vor der Kamera interviewt.
Während eines Stipendienaufenthaltes der Stadt Zürich 2007 entwickelten sie die Arbeit „Vektor“. In diesen sechs Monaten in Kairo sahen sich Galic und Gredig mit neuen Problemen der Bildsuche und -findung konfrontiert. Den Anspruch der Authentizität mitführend, mussten sie nach kurzer Zeit feststellen, dass sie sich in einem Land bewegten, in dem sowohl das Fotografieren und Filmen als auch die Menschen der Überwachung unterlagen. Zudem fiel aufgrund fehlender Arabisch-Kenntnisse ein wichtiger Bestandteil ihrer Arbeit weg: die Kommunikation. Wie kann man trotz dieser grundlegenden Probleme eine Arbeit entwickeln, die die eigene Position und die Situation des Landes darzulegen vermag? „Vektor“ stellt in seinen zwei Videos gleichermaßen eine Thematisierung wie auch den Schlüssel zu dieser Problematik dar. In einem der Videos verdeckt versprühtes Insektenvertilgungsmittel Teile der Stadtarchitektur, der Autos und Menschen und macht fast schmerzhaft sichtbar, wie man uns als Betrachter/in Bilder zu sehen oder eben nicht zu sehen gibt. In einer extremen Verlangsamung der Bildsequenzen und der dadurch einhergehenden Vertiefung der Tonspur wird eine entrückte, unheimliche Stimmung vermittelt. Zwei vorgefundene, wissenschaftliche Illustrationen begleiten die Videos und deuten auf die Interpretation und Lesbarkeit von Bildern aus dem arabischen Raum hin. Die Journalistin Gabriela Christen umschreibt die Qualität der Arbeiten von Galic und Gredig sehr passend: „Konzeptuell und narrativ, sowohl naiv dem Prozess der eigenen Bildersuche vertrauend als auch über die Bedingtheit von Bildern in der heutigen Welt nachdenkend – diese Paradoxien machen aus den Arbeiten von Goran Galic und Gian-Reto Gredig ein fotografisches und filmisches Versprechen zwischen Dokumentation und Kunst.“
Alexandra Blättler
