Déjà vu
Vorfilm
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Einen hyperreal anmutenden Reisefilm stellt »Déjà vu« dar. Als Montage von Found Footage in Form von Amateurreiseaufnahmen bietet er ein Kaleidoskop exotischer Eindrücke und reflektiert kritisch den bereits vorgeprägten eurozentristischen Touristenblick auf Länder der Dritten Welt. Unübersetzte Erzählungen von Einheimischen aus dem Off kippen das konstruierte Bild des Exotischen (ein festlich-bunter Umzug in Nepal, indische Elefanten, südafrikanische Tänze), da sie aufgrund der Vervielfachung der Sprachen den Zuschauer verunsichern.
»Zu einem Aufspüren von Geschichten hinter den sichtbaren Bildern lädt Lisl Ponger in ihrem neuen Film »Déjà vu«: postkolonialistisches Gedankengut wird in den von Ponger montierten, gefundenen Touristenaufnahmen greifbar. Der Glanz des vordergründigen Exotismus – die Lust der anonymen Filmer am &Mac221;Einfangen&Mac220; klischeehafter Szenen ist spürbar – verringert sich insbesondere durch die Vertonung (...) Achtung: für den trauten Urlaubsfilm-Heimabend nur bedingt verwendbar.« (Martin Behr in Salzburger Nachrichten vom 20. März 1999)
Der Film lief auf zahlreichen Festivals (u.a. auch in Nyon) und begeisterte vor allem auf der DIAGONALE in Graz: »Daß die Grenzen zwischen den Sparten verfließen, liegt in der Natur der Sache. Lisl Pongers neuer Film etwa, &Mac221;déjà vu&Mac220;, läuft in Graz zwar unter Avantgarde, ebensogut aber könnte man ihn in einem Dokumentarfilmprogramm zeigen: In gefundenen alten Amateur-Reise-Filmbildern absolviert Ponger eine ihrer Weltreisen, um die Unmöglichkeit zu diskutieren, das Fremde zu verstehen und &Mac221;Wirklichkeit&Mac220; im Kino abzubilden.« (Stefan Grissemann in Die Presse vom 20. März 1999).

Österreich 1999
Regie, Buch, Schnitt: Lisl Ponger
Kamera: Found Footage
Ton: Lisl Ponger, Dietmar Schipek
23 Min.




Das indische Experiment
Sonntag, 21. November, 17 Uhr

Die Regisseure sind anwesend.



Der ungewöhnliche Reiseessay »Das indische Experiment« des italienischen Schriftstellers Giorgio Manganelli, welchen er 1976 während seines Aufenthaltes in Südindien verfaßte, diente diesem Film als Grundlage. Wohlausgerüstet mit mitteleuropäischer Vorsicht und Distanz, der Wortgewalt eines großen Kritikers und Literaten, berichtet Giorgio Manganelli vor allen Dingen von der Verschiedenheit der faszinierenden indischen Welt im Vergleich zur unsrigen. Der Essay ist die Überprüfung des Mythos Indien, der unsere westliche Kultur seit mehr als hundert Jahren in den Bann zog – von der Philosophie Schopenhauers über die Literatur Herrmann Hesses, von den Aussteigern und Freaks der sechziger und siebziger Jahre bis zum Travel-Tourismus der Gegenwart.
Manganellis Buch inspirierte die beiden Filmemacher zu einem Film, der weder Reisereportage noch Literaturverfilmung ist. Im März 1997 brachen sie zu dritt (Regie, Kamera, Ton) zu zweimonatigen Dreharbeiten nach Indien auf. Gedreht wurde auf Film in Farbe und schwarzweiß. Auf den Spuren Manganellis und dem roten Faden seiner Gedanken und Betrachtungen folgend fuhren sie in den Süden Indiens.
»Die Bilder und wenigen Interviews, die sie selbst in Indien gedreht haben, illustrieren, kommentieren oder widersprechen diesem Text. War schon der Essay eine distanzierte und selbstironische Überprüfung des Mythos Indien durch einen Europäer, so wird der Blick auf das fremde Land nun noch ein weiteres Mal gebrochen.«
(Martina Knoben in epd Film 7/99)
Enstanden ist auf dieser Expedition eine ungewöhnliche Reiseerzählung; eine Mischung aus Poesie und Realismus, in der die von Jochen Malmsheimer vorgelesenen Textstellen Manganellis, die Musik und die Aufnahmen jahrtausendealter Religionstätten sich zu einer Harmonie verbinden, aber auch kurze Einblicke in die alltägliche Lebenssituation gegeben werden. Der Film vermittelt eher Impressionen als Informationen über ein Land, welches einerseits durch seine langsame Öffnung zum Westen, andererseits aber auch gerade durch seine Identifikation mit Tradition, Kultur und Religion geprägt ist.

Deutschland 1999
Regie: Achim Fell, Leif Karpe
Buch: Giorgio Manganelli, Reiseerzählung »Das indische Experiment«
Kamera: Leif Karpe
Ton: Achim Fell
Schnitt: Achim Fell, Leif Karpe
Erzähler: Jochen Malmsheimer
76 Min.