"Learning from..."? Lernen von / mit / in Medienkulturen
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Was heisst „Lernen von, mit und in Medienkulturen"? Etwa: Wissenserwerb im WWW auf einen Klick? Sicher nicht. Mit dem Surfen in Infotainment-Angeboten dürfte es jedenfalls kaum getan sein. Klar ist jedoch, dass sich verschiedene Medienkulturen je auf ihre Weise als Lernumgebungen formieren, in denen sich nicht nur „Informationen“ und „Wissen“, sondern auch soziale und kulturelle Kompetenzen entwickeln und vermitteln lassen.
Insbesondere der Begriff des „e-Learning“ hat in diesem Zusammenhang seit einigen Jahren verschiedene Konjunkturen erfahren – allerdings nicht unbedingt im kulturellen Feld. Denn während Unternehmen mittlerweile mit großer Selbstverständlichkeit sowohl e-Learning-Systeme nutzen als auch in die entsprechende Forschung und Entwicklung investieren, ziehen die öffentlichen Bildungseinrichtungen nur langsam nach.
Zwar gibt es ein großes Interesse am Thema und eine ansehnliche Zahl geförderter Initiativen. Insgesamt jedoch hat man hier mit erheblichen strukturellen wie auch ökonomischen Problemen zu kämpfen. Gerade im Bereich der Kulturwissenschaften und der Künste kommt nicht selten eine spezifische Skepsis gegenüber medienbasiertem Lernen hinzu, die aus den jeweiligen Bildungstraditionen resultiert. Grundlagen kultureller Bildung mögen sich auf diese Weise didaktisch vermitteln lassen – doch wie ist es um das Erfahrungswissen und die ästhetische Anschauung bestellt?
Lassen sich e-Learning-Modelle, die für betriebliche Weiterbildung oder für den naturwissenschaftlich-technischen Bereich entwickelt worden sind, adaptieren? Und wenn ja, ist eine solche Übernahme überhaupt sinnvoll oder vorteilhaft?
Haben mindestens auf den ersten Blick wenig wirtschaftsorientierte Disziplinen überhaupt die Chance, vom entsprechenden Know-How zu profitieren oder ist ihnen schon aus ökonomischen Gründen der Zugang verstellt? Welche Möglichkeiten für sinnvolle Anschlüsse und Kooperationen gibt es und welche Alternativen könnten sich ihnen bieten?
Inwieweit etwa lässt sich ein wild wucherndes Informationsgewebe wie das World Wide Web sinnvoll nicht nur als Bildungsportal, sondern als Plattform für community-basiertes Lernen nutzen? Was bedeutet „Open Source“ und „Open Content“ in diesem Zusammenhang? Welche Modelle sind hier bereits entwickelt und erfolgreich erprobt worden? Mit welchen Problemen sehen sich Initiativen konfrontiert und welche Perspektiven bieten sich? Wie ist es um die Ökonomien bestellt? Welche Rolle spielen Vernetzung einerseits und Institutionalisierung andererseits?
Vor dem Hintergrund dieser und weiterer Fragen werden im Rahmen von interfiction XII / 2005 – „Learning from…“ Projekte vorgestellt, die sich mit dem Thema Lernen und Bildung in der Medien- und Netzkultur beschäftigen. Über Einblicke in den aktuellen Stand der Dinge und Überlegungen zu den zukünftigen Entwicklungen von e-Learning hinaus wird es nicht zuletzt um die Frage gehen, welche spezifischen Potentiale seitens der Künste und der Kulturwissenschaften in diesen Bereich einzubringen sind, um auf dieser Basis Horizonte für übergreifende Diskussionen und weiterführende Perspektiven zu entwickeln.
Was kann unsere gegenwärtige Medienkultur von vergangenen Medienkulturen lernen? Inwieweit vermögen künstlerische Arbeiten nicht nur einen Beitrag zur Debatte um die Rolle der &Mac226;neuen‘ Medien in Kultur und Gesellschaft zu leisten, sondern auch kulturelles Wissen zu vermitteln?

Im Zentrum von interfiction steht auch in diesem Jahr wieder ein zweitägiges Workshop-Seminar, in dem die eingeladenen KünstlerInnen und TheoretikerInnen in Kurzvorträgen und -präsentationen Thesen und Projekte zum Thema vorstellen und gemeinsam diskutieren. Das Workshop-Seminar versteht sich als „Temporäres Labor“, das am runden Tisch eine ausführliche Auseinandersetzung und einen intensiven Austausch der TeilnehmerInnen untereinander ermöglichen soll.
Verena Kuni

TeilnehmerInnen
Karsten Asshauer (Berlin)
Manuel Bonik (Berlin)
Frederik Funke (Kassel)
Michael Härdi (Schaffhausen)
Birte Kleine-Benne (Hamburg / Lübeck)
Sabine Kühl (Berlin)
Verena Kuni (Frankfurt/M.)
Erwin Liedtke (Hamburg)
Anders Turge Lehr (Karlsruhe)
Hannes Raffaseder (Wien)
Tamiko Thiel (München)
Torsten Stapelkamp (Bielefeld)

Vorträge und Projektvorstellungen
Die nackte Wahrheit. Suchmaschinen und Internetsex (Manuel Bonik) // Digitaler Beschreibungs- und Methodencoach (Sabine Kühl) //
e-Learning auf Basis der Möglichkeiten der DVD (Torsten Stapelkamp) // Elektronisch Lernen (Michael Härdi) // Emission Online Dissent Clearing (Erwin Liedtke) // Medialisierungseffekte: Transformationen von Kunstproduktion und Kunstrezeption (Birte Kleine-Benne) // Nicht aufHÖREN zuHÖREN! Anmerkung zu den Besonderheiten des akustischen Mediums und dessen Bedeutung in einer visuell dominierten Medienwelt (Hannes Raffaseder) // SuperfactoryTM (Karsten Asshauer) // Teach In: Die neue Schule des Daten-Zen (Anders Turge Lehr) // Virtual Reality Art Environments as Learning Resources (Tamiko Thiel) // Von Medien lernen (Verena Kuni)

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Weitere Informationen zum Programm und den TeilnehmerInnen, Zugang zum interfiction-Streaming sowie Materialien und Dokumentationen zu den vergangenen interfiction-Tagungen gibt es auf der Website http://www.interfiction.org.

Dank
interfiction und interfiction.org können nur realisiert werden Dank der großzügigen Unterstützung durch die Landesinitiative Hessen-media und das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst sowie durch die Förderung durch den Fachbereich Psychologie/Universität Kassel, den Offenen Kanal Kassel und die Landesanstalt für privaten Rundfunk Hessen.
Dank allen helfenden Händen und last but not least bei allen Referent/innen und Teilnehmer/innen.