08. - 13. November, Kulturbahnhof Kassel
In-Between-Girl
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Bei „In-Between-Girl“ wechselt die Außenansicht des Betrachters mit der Innenansicht der Protagonistin, indem die Kamera eine Zoombewegung macht. Während wir zuvor aus der Distanz auf die Frau schauen und dabei ihr Umfeld überblicken, bringt der Zoom sie uns näher. Daraufhin wird ihre gefrorene Präsenz in ein Bewegtbild überführt, um kurz danach wieder im Foto zu erstarren. Innerhalb der kurzen Filmsequenz teilt sich die Frau dem Betrachter mit, doch dazu nutzt sie weder ihre eigenen Worte, noch ihre eigene Sprache. Der Text wurde ihr mitsamt der Filmmusik von der Künstlerin in den Mund gelegt. Auf formaler Ebene findet das „Dazwischen“ im Rahmen der Kulisse statt: Die Frau steht im Eingangsbereich des Hauses oder hat vor der Fensterbank Platz genommen. Das Übernehmen der Tonspur des 1950er-Jahre-Films „Ein Sommer, den man nie vergisst“ stellt demgegenüber ein inhaltliches Dazwischendrängen dar. Und nebenbei, ganz spielerisch, wird auch die Rolle der Frau in der Gesellschaft thematisiert. Obwohl die Protagonistin sagt: „Ich liebe meinen Beruf und bin sehr glücklich hier“, glaubt man ihr kein Wort und überträgt sie in die Rolle der einsamen Hausfrau. Das Klischee verhärtet sich, als sie uns vor dem Haus verrät: „Ja, der ist an allem Schuld“. Schließlich können wir uns von der Richtigkeit der Aussage überzeugen, wenn der auf dem Bett sitzende, Bier trinkende Mann erscheint. Es sei denn, wir wehren uns gegen die Verbindung, die Bild und Ton hier eingehen und machen uns klar, dass das Gesagte ein aus dem Zusammenhang genommenes Zitat ist. Doch auch das Bild der Frau im roten Kleid vor einer Hütte hat seine visuelle Anlehnung, da es sich auf eine Fotoarbeit der australischen Künstlerin Tracey Moffatt bezieht. Wiederum ein filmisches Zitat geschieht in der nächsten Situation, die an Alfred Hitchcocks „Das Fenster zum Hof“ erinnert. Die Beobachterin am Fenster trägt schwarze Kleidung, um nicht gesehen zu werden, doch ihr weißer Verband leuchtet, wie ein kurzes Augenzwinkern, auf. Wir beziehen die Aussage „Ich war damals natürlich viel zu klein, um das alles richtig zu begreifen“ automatisch auf die Kindheit der Frau. Vielleicht blickt sie mit ihrem Fotoapparat jedoch auf die Zeugung ihres eigenen Lebens zurück, indem sie ihre Eltern im gegenüberliegenden Fenster in flagranti erwischt. Die Zeit ist ebenso relativ, wenn die Frau schon vor einem Grabstein steht, im Hintergrund der tödliche Schuss aber erst noch fallen muss. Der Selbstmord des Mannes und das anklingende Bewusstsein der eigenen Endlichkeit („Man spürt schon, dass es Herbst wird“) ist kein Schlusspunkt, sondern geht in einen Kreislauf über. Die das stilisierte Haus scheinbar umkreisende Kamera – tatsächlich ist es das spielzeuggroße Haus, das von Annette Gödde vor einer Standkamera auf einer Drehbühne bewegt wurde – setzt dies optisch in einem lückenlosen Loop um. Wir sehen und wissen, dass es sich um Kulissenschieberei handelt und werden trotzdem in den unendlichen Kreis der Bilder hineingezogen, um fasziniert zu bleiben.
Anne-Kathrin Auel

In-Between-Girl
Annette Gödde, Berlin 2004/2005 
Video-Projektor, DVD-Player, Lautsprecher, Fotografien, Fototapete, Stellwände

The spectator’s view of the outside changes with the protagonist’s view from the inside by a zoom of the camera. Having been watching the woman from the distance when we were overlooking her surrounding, the zoom now gets us closer to her. Subsequently her frozen presence is transformed into a film, only to stop again shortly afterwards as a photography. Within the short clip, the woman communicates with the spectator. She does this, however, neither using her own words, nor her own language. The text was put into her mouth by the artist, together with the film score. On a formal level, the in-between takes place within the framework of the scenery: the woman stands in the entrance hall of the house or has taken a seat in front of the window ledge. In contrast to this, adopting the soundtrack of the 1950s film “A Summer You Will Never Forget” is, as regards content, a kind of barging in. And at the same time, in a very playful way, women’s role in society is picked out as a theme. Although the protagonist says: “I love my job and I’m very happy here”, one doesn’t believe a word and puts her into the role of the solitary housewife. The cliché becomes rigid when she tells us in front of the house: “Yes, he’s to blame for all this”. After this we can convince ourselves of the truthfulness of the statement as her husband appears, sitting on the bed, drinking beer. Unless we refuse to accept the relationship tied between image and sound and become aware that what had been said were quotes which are taken out of their contexts. But the scene of the woman in a red dress in front of a hut is also a visual allusion, since it refers to a photographic work of the Australian artist Tracey Moffatt. Yet another film quotation occurs in the next situation recalling Alfred Hitchcock’s “Rear Window”. The female watcher in the window is all dressed in black in order not to be noticed, but her white bandage shines brightly, like a quick batting of one’s eyelid. We automatically refer her remark “In those days I was of course to small to really understand these things” to the woman’s childhood. However, maybe she is looking back with her camera to the moment when she was fathered by catching her parents red handed in the opposite window. Time is just as relative when the woman stands in front of a gravestone but the fatal shot in the background is yet to be triggered. The husband’s suicide and the emerging consciousness of one’s own finiteness (“One can tell, autumn is coming”) is not an end but turns into a cycle. The camera which apparently rotates around the stylised house – in actual fact it’s a miniature scaled house on a revolving stage in front of a steady cam – translates this visually into a loop. We see and know that it’s scene-shifting but are still compelled into the infinite circle of images to stay fascinated.