08. - 13. November, Kulturbahnhof Kassel
Zyklus
imberi_Filmstill-Tuer.jpg
Oft genug sind Ausstellungen mit Medieninstallationen geprägt von Black Boxes, in denen einzelne Videos projiziert werden. Jan Imberis Projektionsbox in Form einer Holzhütte ist ein eigenständiges künstlerisches Objekt, das in der Gesamtstruktur der Arbeit verschiedene Funktionen übernimmt. Sie ist zunächst einmal Raumkörper innerhalb des 'White Cube‘, des Ausstellungsraumes. Als solcher tritt sie in ein Verhältnis zum Betrachter, indem sie von ihm eine Haltung fordert. Mit ihrer roh belassenen Oberfläche und den beachtlichen Dimensionen ruft sie ein Bedeutungsfeld auf. Die Holzhütte ist ein einfacher Bau, vielleicht ein Behelfsbau. Auffällig ist, dass außer einer Tür keine Fenster oder andere Öffnungen vorhanden sind. Das Innere ist dadurch in gewisser Weise umschlossen. Bei Betreten des Raumes öffnet sich dieser zu einer Seite mit einer wandfüllenden Projektion. Darin spielt der Raum, der gerade vom Betrachter betreten wurde, eine entscheidende Rolle. Die Holzhütte ist demnach gleichzeitig Bühne und Zuschauerraum, sie ist reale Umgebung des Betrachters und projiziertes Bild auf der Leinwand. So gesehen stellt sich eine Analogie zwischen dem Protagonisten der Videoprojektion und dem Zuschauer her.
Die Inszenierung der Videosequenz kennt zwei Räume, die in archaischer Einfachheit voneinander getrennt sind: Es sind das Innere der Holzhütte und die Welt außerhalb. Letztere bleibt dabei vollkommen abstrakt und unbestimmt. Sie besteht allein aus weißem Licht. Kein Horizont ist erkennbar, der Boden hebt sich nicht durch eine andere Farbigkeit ab. Diese Welt außerhalb der Hütte ist absolut unräumlich. So undefiniert wie diese Umgebung gibt sich in ihr auch der Protagonist, der sich in einem Prozess erst allmählich seiner selbst vergewissert. Wie aus einem tiefen Schlaf erwacht wirken die ersten Bewegungen ungelenk. Selbstberührungen loten die Möglichkeiten der eigenen Bewegungsfähigkeiten aus, bis hin zu einer entschiedenen Setzung, ein Fingerschnippen.
Der andere Raum, dem sich der Protagonist zunächst vorsichtig nähert bevor er ihn betritt, ist in gewisser Weise das Gegenteil des ersten. Die Holzwände schaffen eine genaue Begrenzung. Durch die Ritzen zwischen den Balken scheint die äußere Welt durch und macht die Abgeschlossenheit des Raumes in der Hütte umso stärker spürbar. Dieser Raum ist der Schauplatz eines Kampfes, den der Protagonist aussteht. Obwohl kein anderer zu sehen ist, wirken die Gesten wie unter Gewalteinwirkung, ein plötzliches Zusammenzucken, wie durch einen Schlag verursacht; scheinbar von einem starken Griff auf den Rücken gedrehte Arme.
Alle Bewegungen haben einen Aspekt, der sie abstrakt erscheinen lässt. Es sind Gesten wie in einem Tanz, einer Choreographie, sie greifen planvoll ineinander und wirken in ihrer Setzung irritierend gegenüber einer Auffassung auf Seiten des Zuschauers, der in ihnen eine Wirklichkeit sucht, die ihm Halt geben könnte. Aber gerade die Choreographie ermöglicht den Zyklus. Sie gestaltet das Ineinandergreifen der Handlungen, beim Video die Wiederholung im Loop.
Holger Birkholz

Zyklus
Jan Imberi, Offenbach 2005  
Holzhütte, Video-Projektor, DVD-Player, Verstärker, 6 Lautsprecher

Often enough New Media exhibitions are characterised by black boxes, within individual videos are projected inside. The box of Jan Imberi’s projection, in the form of a timber hut, is an independent piece of art carrying out different functions within the framework of his installation. At first it’s some space within the “white cube” of the exhibition hall and as such it establishes a relationship with the spectator by demanding him to assume an attitude towards the hut. Its rough surface and considerable dimensions recall a set of notions. The timber hut is a simple construction, maybe a temporary one. It’s striking that there’s no other opening than the door. Thus, the interior is in a way encompassed. Upon entering, the room opens to one side with a projection cast over the entire wall, in which the room, that the spectator has just ventured into, plays a key role. The timber hut becomes stage and auditorium at the same time, it’s the spectator’s real surrounding and yet also an image cast onto a screen. Looked at in this way, an analogy emerges between the projection’s protagonist and the spectator.
The video contains two spaces, separated by one another in archaic simplicity: it’s the timber hut’s interior and the world outside. The latter one remains completely abstract and indefinite in the process, consisting solely of white light. There’s no distinguishable horizon, the floor doesn’t stand out in a different colour. The world outside is a non-space and the protagonist within acts as undefined as his surrounding. Only gradually does he gain awareness of himself. As if awakened from a fast sleep, his first movements seem awkward. Touching himself he explores his ability to move. After a while: an act of decisiveness – he snaps his fingers.
The other room, that the protagonist approaches carefully before entering, is quite the contrary to the first one. The timber walls create a clear limit. Outside’s light shines through the gaps between the boards and makes the isolation even more noticeable. This room is the theatre of a war that the protagonist endures. Although no other person can be seen, the gestures appear as if under massive violence: a sudden jerk, as though he had been hit; his arms torn onto his back by an apparent but invisible strong hand.
All movements contain an aspect that makes them look abstract. They are gestures like those of a dance, of some choreography, interlocking, yet irritating for a spectator, who’s trying to perceive the reality in them that could give him hold. However, it’s the choreography that makes a cycle possible. The choreography designs the interlocking of the action and the perpetual repetition of the video in form of a loop.