Sa, 12.11. / 19:30
Czech Dream

Dokumentarfilmer, die sich selbst in Szene setzen und damit anfeindbar machen, sind seit Michael Moore stark im Kommen. Während Morgan Spurlock mit SUPERSIZE ME sich (kinotechnisch) erfolgreich in einem Selbstversuch einen Monat lang dem US-Fast-Food aussetzte, geben sich die tschechischen Regisseure Vit Klusák und Filip Remunda als Manager eines neuen Hypermarktes aus, der in Wirklichkeit aber nie gebaut wird.
Auf die Schippe genommen wird in CZECH DREAM weniger der vermeintlich naive Bürger, sondern der kapitalistische Wahnsinn, der inzwischen auch in Osteuropa seinen Fuß fest in der Tür hat. Diese Documentary Hyper-Comedy zeigt, wie einfach es ist, das Interesse der Leute zu wecken, einen riesigen Medienrummel zu verursachen für etwas, das gar nicht existiert. Die von einer bekannten Agentur entworfene Werbekampagne umfasste TV- und Radiospots, 400 Leuchttafeln, 200.000 Flyer, einen eigens geschaffenen Werbesong, eine Website und Anzeigen in Zeitungen und Magazinen mit dem bezeichnenden Slogan (übersetzt): Gib kein Geld aus!. Und letzten Endes ist nichts gewesen außer (Marketing-)Schall und Rauch. Dabei stellt sich auf einer übergeordneten Ebene die für das Genre Dokumentarfilm ewig aktuelle Frage nach der Legitimität, in die Wirklichkeit einzugreifen, Realität zu inszenieren. In seinem Heimatland hat der provokative Blick auf die Konsumverfallenheit in der nachsozialistischen Gesellschaft kontroverse Reaktionen hervorgerufen und wird sogar im dortigen Parlament diskutiert.
CZECH DREAM wird von der Kritik ebenso geliebt wie die Filmemacher für ihr Projekt von der Mehrzahl der hereingelegten Bürger verachtet werden
Czech Dream
Tschechien 2004
Regie/Buch: Vit Klusák, Filip Remunda
Kamera: Vit Klusák
Schnitt: Zdenek Marek
Ton: David Hysek, Michal Gábor
Musik: Hynek Schneider, V.O. Bauer
Farbe / 87 Min.
Originalfassung mit deutschen Untertiteln
www.ceskysen.cz
Two young Czech filmmakers perform an unusual experiment showing the manipulative psychological power of a consumer society. They bring a huge advertising campaign to life for a hypermarket that does not in fact exist. In the process, timeless questions are posed at a higher level on the legitimacy of interfering in reality in the documentary film genre.

