Fr, 11.11. / 19:30
Die grosse Depression – Made in Germany
Sind wir Deutschen wirklich so depressive Jammerlappen, und wenn ja, warum? In seiner originellen Mischung aus Dokumentation und Inszenierung geht Konstantin Faigle, selbst Hypochonder und von seinem Arzt als depressiv diagnostiziert, der deutschen Jammermentalität – halb ernst, halb humorvoll – auf die Spur. Als werdender Vater, der sein Kind nicht in einem depressiven Umfeld aufwachsen sehen will, geht der Filmemacher der Frage nach, woher unsere Lust am Jammern kommt und warum für uns das Glas immer halb leer scheint. Was ist das Besondere an unserem Land, in dem Werke wie „Die Leiden des jungen Werther“ entstehen konnten? Was könnten die Ausgangsfaktoren sein, die die Schwarzseherei begünstigen? Auf der Suche nach der „schweren deutschen Seele“ nimmt er dabei einige nationale Eigenheiten ironisch unter die Lupe. In einem internationalen Negativ-Ranking rutscht Deutschland auf, da sich die Finnen lieber gleich umbringen! Dabei zeichnet sich die spezifisch deutsche Schwermut durch den besonderen Umstand der Selbstbeobachtung aus: In der Reflektion über unseren Zustand werden wir gleich noch schwermütiger!
Durch seinen subjektiven Filter betrachtet der Filmemacher sein Heimatland, dessen Geschichte und die Menschen, die in ihm leben – und jammern. Auf der ethnologischen, historischen, soziologischen und naturwissenschaftlichen Reise kommen verschiedene Protagonisten zu Wort, darunter als interessanteste wohl eine MEM-Expertin. Auch sein Vater, schon bekannt aus Faigles vorherigem Dokumentarfilm OUT OF EDEKA, weiß einiges zu berichten über neidische Nachbarn in der schwäbischen Provinz. Mit seinem Film möchte er, wie der Regisseur selber sagt, einen kleinen Teil dazu beitragen, dass Deutschland auch mental wieder zu einer grüneren Landschaft wird.
Unterhaltsame Bestandsaufnahme aus einem reformgebeutelten Land.

Die grosse Depression – Made in Germany
Deutschland 2004/2005
Regie/Buch: Konstantin Faigle
Kamera: Hajo Schomerus
Schnitt: Dora Vajda
Musik: Andreas Schilling
Farbe, 90 Min.
Deutsche Fassung

Are the Germans really such depressive sissies, and if so, why? Konstantin Faigle, himself a hypochondriac and diagnosed as depressive by his physician, addresses this question in a very personal and unusual trip through his native land. As a father to be, he does not want his child to be born into a depressive environment, and goes in search of the “heavy German soul”, inspecting various national peculiarities in the process.