Sa, 12.11. / 12:45
Geschichte des dokumentarischen Films in Deutschland 1895-1945
Buchpräsentation vom Haus des Dokumentarfilms Stuttgart (HDF)
Filmprogramm: Moderne Strömungen und Utopien im Faschismus
mit Unterstützung des Bundesarchiv-Filmarchivs Berlin und der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung Wiesbaden

Erstmals ist eine umfassende Geschichte des dokumentarischen Films in Deutschland veröffentlicht worden, die im Oktober als dreibändiges Werk im Reclam-Verlag erschienen ist. Gestützt auf die Sichtung mehrerer tausend Filme und umfangreicher Archivrecherchen untersuchen renommierte Autoren die Vielfalt der dokumentarischen Genres vom Kaiserreich bis zum Ende des „Dritten Reichs“, jeweils in engem Bezug zu den politischen und kulturellen Entwicklungen. Im Kaiserreich (Hg.: Martin Loiperdinger, Uli Jung) überrascht eine breite Palette von Aktualitäten, Reise-, Industrie- und Werbefilmen sowie Propagandafilmen im Ersten Weltkrieg. In der Weimarer Republik (Hg.: Klaus Kreimeier, Antje Ehmann, Jeanpaul Goergen) differenzieren sich die nichtfiktionalen Genres aus: Der Kulturfilm bringt unterhaltsame Belehrung in die Kinos, für Schulen und Hochschulen werden Lehrfilme hergestellt, die filmische Avantgarde entwickelt erste theoretische Konzepte zum Dokumentarfilm. Im „Dritten Reich“ (Hg.: Peter Zimmermann, Kay Hoffmann) ist neben der ideologischen Funktion von Wochenschau und Filmpropaganda eine stilistisch variantenreiche Praxis dokumentarischer Filme zu beobachten, die ein breites Themenspektrum abdeckt.

Während des Festivals wird Kay Hoffmann vom Haus des Dokumentarfilms das Projekt vorstellen und ein Filmprogramm präsentieren zum Thema Moderne und Faschismus. Die ausgewählten Filme zu den Architekturplanungen der Nationalsozialisten sowie modernen Medien und Technik zeigen auf, dass der Kulturfilm der 30er Jahre keineswegs altbacken und langweilig war, sondern dass die Nationalsozialisten durchaus verstanden, das Medium Film visuell spannend zu nutzen. Deutlich wird dabei die Inszeniertheit der dokumentarischen Filme und die starke Mischung zwischen dokumentarischen Aufnahmen, inszenierten Passagen, Trickanimationen, Effekten usw.

A book presentation on the history of the documentary film in Germany 1895-1945 and the film programme MODERN CURRENTS AND UTOPIAS IN FASCISM, introduced by Dr. Kay Hoffmann.



Das Wort aus Stein
1939, 19 Min.
Regie: Karl Rupli
Kamera: Reimar Kuntze
Musik: Clemens Schmalstich
Produktion: Ufa

Im Mittelpunkt stehen die Architektur-Visionen der Nationalsozialisten mit der Umgestaltung Berlins zur neuen Hauptstadt Germania sowie in der Regel nicht ausgeführten monströsen Bauprojekten in anderen Städten.


Die Kamera fährt mit
12 Min.
Regie: Hans Schipulle
Kamera: Walter Brandes, Bernhard Juppe, Heinz Kluth
Produktion: Tobis-Melofilm

Vorgeführt wird die Arbeitsweise der Wochenschauteams in den 30er Jahren als Beispiel moderner Medienberichterstattung. Es ist sozusagen ein seltenes Stück "making of" zur Wochenschauproduktion mit der Winterolympiade 1936 im Zentrum. Der Kurzfilm zeigt, wie aufwändig die Bildproduktion damals war.


Wer fuhr IIa-2992?
1939, 15 Min.
Regie: Karl G'schrey
Kamera: Hans Bastanier
Musik: Rudolf Perak
Produktion: Ufa

Das Fernsehen wurde Mitte der 30er Jahre im Deutschen Reich eingeführt. Allerdings war es kein Massenmedium, sondern das Programm wurde in erster Linie in Fernsehstuben in Berlin gezeigt, und einige ausgewählte Funktionäre hatten eigene Geräte. In diesem Kurzfilm wird die Vision entwickelt, das Fernsehen ganz direkt zur Verbrechensbekämpfung einzusetzen: in diesem Fall für die polizeiliche Fahndung nach einem Unfallflüchtigen.


Weltraumschiff I startet
1940, 22 Min.
Regie: Anton Kutter
Kamera: Gustav Weiss
Musik: Ludwig Kusche
Produktion: Bavaria

Dieser „utopische Kulturfilm“ beschreibt den ersten bemannten deutschen Mondflug, der damals für die 60er Jahre vorhergesagt wird und die Fernsehübertragung darüber dokumentiert. Er verzichtet auf zuviel Heroismus. Es ist ein gutes Beispiel für eine hybride Form, die bei damaligen Kulturfilmen durchaus üblich war.


Kontakt:
Haus des Dokumentarfilms
Privatdozent Dr. Peter Zimmermann
Dr. Kay Hoffmann
Königstr. 1A
70173 Stuttgart

Tel: 0711/ 997 808 0
Fax: 0711/ 997 808 20
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