So, 13.11. / 21:45
Hollywood und der Holocaust
Der deutsche Faschismus war schon bald nach der Machtergreifung Hitlers ein Thema, das die amerikanische Filmindustrie auf die Leinwand bannte. Die Ergebnisse dieses Ringens um die Darstellung der deutschen Gefahr fielen höchst unterschiedlich aus. Laurel und Hardy zogen gemeinsam mit Donald Duck und Tarzan mit eher grobschlächtigem Humor gegen die Nazis zu Felde. Charlie Chaplin und Ernst Lubitsch machten den Führer mit weit feinsinnigerem Humor lächerlich. Auch der immer brutaler zu Tage tretende Antisemitismus und die Gräuel der Lager waren bereits lange vor Kriegsende ein Thema. Doch das wahre Ausmaß der systematischen Ermordung der europäischen Juden wurde erst bei der Befreiung der KZs erkannt und von Filmschaffenden aus Hollywood dokumentiert. Mogule wie Jack Warner glaubten, dass es nach den Todeslagern keine Möglichkeit mehr geben würde, zur alten Unbeschwertheit, solch Frivolität der frühen Hollywoodjahre zurückzukehren.Der einsetzende Kalte Krieg und die Deutschland zugedachte neue Rolle belehrte ihn schnell eines Besseren. Erst ende der 50er Jahre griff die Traumfabrik das Thema wieder Auf und erzählte die ergreifende Geschichte der Anne Frank und für das neue Medium Fernsehen die Geschichte der Nürnberger Prozesse. Zwei Jahre später wurde hieraus ein Film, an dem alle, die in der Industrie Rang und Namen hatte, mitwirkten.
Seither wurde das Thema immer wieder im Film behandelt. Dabei entstanden Meisterwerke wie Sidney Lumets Pfandleiher mit Rod Steiger in der Rolle eines Überlebenden, der vom Horror der Vernichtungslager verfolgt wird. Sophies Entscheidung nach dem Roman von William Styron mit Meryl Streep in der Rolle einer Polin, die vor die schreckliche Wahl gestellt wird, welches ihrer beiden Kinder überleben darf. Steven Spielbergs Schindlers Liste und schließlich Roman Polanskis Der Pianist. Die größte Breitenwirkung jedoch hatte ein Fernsehprogramm: die Serie Holocaust, in der Regisseur Marvin Chomsky am Schicksal der Familie Weiß das Martyrium der Juden verdeutlichte.
Der neue Film des Emmypreisträgers Daniel Anker zeigt in eindrucksvollen Filmausschnitten und Interviews nicht nur, wie sehr Hollywood während des letzten Jahrhunderts um die Darstellung des Unvorstellbaren gerungen hat, sondern auch wie sehr die Bilder der Traumfabrik unsere Vorstellung vom Holocaust geprägt haben.
Hollywood und der Holocaust
(Hollywood and the Holocaust)
USA/GB/Deutschland/Finnland 2004
Regie/Buch: Daniel Anker
Schnitt: Bruce Shaw, Nate Smith
Kamera: Tom Hurwitz, Nancy Schreiber, Dyanna Taylor
Musik: Andrew Barrett, Ed Bilous
Farbe und s/w /92 Min.
The new film by the Emmy award-winner Daniel Anker shows in many impressive film excerpts and interviews how Hollywood has struggled with the presentation of the Holocaust over the last half century. In addition it becomes evident how much the images of the Dream Factory have shaped our ideas of the Holocaust.

