Sa, 12.11. / 15:00
Houwelandt


Beeindruckend ist dabei immer wieder die äußerste Selbstdisziplin von Düffels, die jeglichem Klischee vom kettenrauchenden Bohème-Schriftsteller widerspricht. Sein Alltag ist geprägt von Schreiben, Laufen, Schwimmen und seiner Arbeit am Hamburger Thalia-Theater. Während der Autor sich mit dem Inhalt des Romans, den Phasen seiner Annäherung und Distanzierung gegenüber dem Stoff auseinandersetzen muss, setzt sich von Verlagsseite die Vermarktungsmaschinerie in Gang, die danach schaut, was dem potenziellen Leser gefallen könnte. Gebaut wird dabei vor allem auf den Erfolg seines Debüt-Romans VOM WASSER, was von Düffel kritisch sieht, da für ihn HOUWELANDT keine Fortsetzung, sondern ein Neueinstieg nach einer weniger erfolgreichen Phase werden soll. Der Protagonist sieht sich, je weiter der Roman fortschreitet, zunehmend Versuchen der Einflussnahme seitens Lektorat, Marketing- und Presseabteilung, Verlagsvertretern ausgesetzt, denen gegenüber er versucht, sein Mindestmaß an Selbstbestimmung zu wahren.
Der neue Dokumentarfilm von Jörg Adolph beweist, dass sich auch ein auf den ersten Blick nicht per se visuelles Thema wie die Entstehung eines Romans in Bilder umsetzen lässt. Dabei ist der Filmemacher im Stile des Cinema Direct John von Düffel 15 Monate mit seiner DV-Kamera gefolgt, später während der Buchveröffentlichung nahm er seinen Kameramann aus KANALSCHWIMMER, Luigi Falorni, mit. Ergänzt wird das Ganze von Videoaufzeichnungen, die John von Düffel selber in einer Art Tagebuch gemacht hat, um seine Emotionen während des Schreibprozesses festzuhalten. Entstanden sind dabei über 100 Stunden Rohmaterial, die zusammen geschnitten auf 103 Minuten von Musik der Gruppe CONSOLE begleitet werden.
Mit HOUWELANDT geht es mir um einen möglichst detaillierten Einblick in die störrische Welt der Literaturherstellung. Ich möchte zeigen, was es bedeutet, heute Autor zu sein: Welche Anforderungen der Literaturbetrieb an Autoren stellt, was alles passieren muss, bis ein Buch lesbar wird, was ein Autor mit seinem Buch erlebt, wie sein Buch ihm schließlich wieder fremd wird. (Jörg Adolph)
Houwelandt
Deutschland 2005
RegieBuch: Jörg Adolph
Kamera: Jörg Adolph, Luigi Falorni, John von Düffel
Schnitt: Anja Pohl
Ton: Gerhard Auer
Musik: Console
Farbe / 103 Min.
Deutsche Fassung
The film accompanies the gestation of the novel bearing the same name by the author John von Düffels. In the Cinema Direct style, one is on one hand for the highs and lows the author goes through and gains insight into the mechanisms of the modern literature business.

