FR, 11.11 / 21:45
verschwende deine jugend.doc

Für VERSCHWENDE DEINE JUGEND.DOC griff Jürgen Teipel nun diese Herangehensweise auf. Ganz und gar im punkigen Do-it-yourself-Verfahren schnitten sie O-Töne der Gespräche und über vierhundert, oft auf Dachböden oder in Kellern gefundene Originalbilder am Computer zu einem eineinhalbstündigen Epos, das in seiner Rohheit, durchsetzt mit Hintergrundgeräuschen, auch viel über die meist völlig ungezwungenen Situationen erzählt, in denen die Gespräche stattfanden.
Es entsteht ein Rhythmus, ein Rauschen, ein Dröhnen, eine Bewegung, die physisch nachvollziehbar macht, wie durch die Punk-Explosion von 1977 zum ersten Mal eine eigene deutschsprachige Popkultur möglich wurde, wie die Musik auf andere Kunstformen ausstrahlte und wie diese blühende Subkultur schließlich durch die von der Musikindustrie gesteuerte Neue Deutsche Welle und die nachgemachten Punk-Attitüden von Nena oder Hubert K. ihr Ende fand um nun von nachfolgenden Generationen wiederentdeckt und zu einem nicht mehr wegzudenkenden Bestandteil der Popkultur zu werden.
O-Töne aus dem Film
Alles was eine Handtasche hatte, war für mich total unter aller Sau. (Inga Humpe, Neonbabies)
Wir sind durch Berlin wie durch einen Dschungel gegangen. Viele Dinge gar nicht wahrgenommen. Ausgeblendet. Einfach durchgesurft. Wir haben unsere eigene Landkarte gemalt, welche Anlaufpunkte wir haben, welche Routen wir gehen, welche Abzweigungen wir nehmen. Das hat doch nichts mit Kommunismus zu tun. (Fetisch, Terranova)
Wenn man heute an die frühen Siebziger denkt, denkt man immer an irgendwelche schicken Stile. Aber geistig war das in Deutschland eine ganz finstere Zeit. (Moritz R®, Der Plan)
Ich konnte oft Männer mittleren Alters beobachten, die unauffällig an der Ecke gegenüber standen und mit ihren Plastiktüten redeten. (Klaus Maeck, Rip Off-Laden)
verschwende deine jugend.doc (wasting ones youth.doc)
Deutschland 2005
Regie, Buch, Schnitt, Ton: Jürgen Teipel
Photos (Kamera): ar/gee Gleim, Carmen Knoebel, Franz Bielmeier, George Nicolaidis, Michael von Gimbut, Sabine Schwabroh u.v.a.
Musik: Male, Mittagspause, Einstürzende Neubauten, Abwärts, Der Plan u. a.
Mitwirkende: Blixa Bargeld, Gudrun Gut, Inga Humpe, Markus Oehlen, Peter Hein, Robert Görl u.v.a.
Farbe: 87 Minuten
Deutsch mit englischen Untertiteln
In a punk collage of talks, sounds and photographs, the film brings the punk explosion of 1977 vividly to life. This event made a German language pop culture possible for the first time, and the film shows also how the music influenced other art forms.

