Mi, 09.11. / 15:00
Kulturpark - Wie der Westen dem Osten seinen Westen nahm
Ein verrotteter Freizeitpark inmitten der ehemaligen DDR. Einerseits ein Paradoxon als Freizeitrefugium in einem Arbeiterstaat, in dem man zum Lachen in den Keller gehen musste, andererseits Symbol des untergegangenen Sozialismus. Entstanden ist der Kulturpark zum 20. Jahrestag der DDR-Gründung, damals Anziehungspunkt und Rückzugsmöglichkeit vom Alltag für viele dort lebende Menschen. Nach der Wende wird er von dem dubiosen Westdeutschen Norbert Witte unter dem Banner der „Spreepark GmbH“ übernommen und in den Ruin getrieben. Der neue Betreiber setzt sich 2002 mit einem Großteil der Fahrgeschäfte nach Peru ab und hinterlässt in Berlin Riesenschulden.
Regisseur Immanuel Weinland untersucht Boom und Untergang des einst größten Freizeitparks der DDR in unprätentiösen Bildern, in dem er die Betroffenen beider Seiten in Form von Rede und Gegenrede zu Wort kommen lässt. Es äußern sich unter anderem die Familie des linientreuen Direktors; der technische Direktor und die Geschäftsführerin, die nach der Wende ihren Traum scheitern sahen; der Ostpunk, der den Kulturpark zugleich als ein politisches Mittel der Ablenkung von den Missständen des Alltags hinterfragte; die Gruppe Karat, die sich wunderte, woher denn all die Fahrgeschäfte stammten; der Anwalt, der nüchtern die Geschäfte des Hauptbetreibers schildert; der Wirtschaftswissenschaftler und die Abgeordnete, die verständnislos auf die großzügige Gewährung von Fördermitteln reagieren; oder der Schausteller, der sich nach dem Ende um glücklichere Zeiten betrogen fühlt. Unkommentiert fügen sich die Aussagen zu einem vielschichtigen Kaleidoskop zusammen, das das Phänomen Kulturpark facettenreich beleuchtet und gleichzeitig einen Blick auf die damaligen Verhältnisse in der DDR bzw. deutsch-deutsche Geschichte wirft. Dabei verzichtet der Filmemacher laut eigener Aussage auf jegliches visuelles Konzept, sondern setzt auf spontane Bilder, die mit der Digitalkamera von Laien und Studenten eingefangen wurden.
„Die Motivation, einen Film über den Berliner Kulturpark zu machen, war Anfangs bestimmt von der simplen Anziehungskraft, die von der Patina dieser Vergnügungsparkruine ausgeht. (…) In seinem derzeitigen Zustand stellt der Park eine größere Sensation dar als zu Lebzeiten. Mit einem kleinen Unterschied: Heute kann man ihn nur von der anderen Seite des Zauns bestaunen.“ (Immanuel Weinland)

Kulturpark- Wie Der Westen Dem Osten Seinen Westen Nahm
Deutschland 2004
Regie/Buch/Schnitt: Immanuel Weinland
Kamera: Daniel Rillmann, Immanuel Weinland
Musik/Ton: Ulli Barthel
Farbe / 81 Min.
Deutsch mit englischen Untertiteln
www.kulturpark.net

The rise and fall of socialism as shown in the case of the largest amusement park of the former German Democratic Republic. Immanuel Weinland presents a piece of history played out between the two Germanys (East and West) showing how the West German Norbert Witte bankrupted the one-time showpiece of the East, transferring the majority of the park’s rides and attractions to Peru and leaving huge debts behind. The whole affair is represented without further commentary in statements of the various affected persons on both sides.