Sa, 12.11. / 20:00
Medienmanipulation / Media Manipulation
Was wir über unsere Gesellschaft, ja über die Welt, in der wir leben, wissen, wissen wird durch die Massenmedien, lautet eine These des Soziologen Niklas Luhmann. Doch gleichzeitig haben wir den Verdacht, dass wir den Bildern, die wir täglich sehen, nicht unbedingt trauen können. Dennoch muss man darauf bauen, da die Massenmedien die einzige Instanz sind, die die Gesamtgesellschaft beobachten. Aber wo überhaupt sind die Möglichkeiten, die verbreiteten Informationen auf ihren Wirklichkeitsgehalt zu überprüfen? Wie wird über die Information weiter kommuniziert? Und was basiert nur auf Effekt und Übertreibung? Die Filme des Programms beobachten, wie die Medien beobachten und wie wir auf die Bilder schauen."What we know about our society and indeed about the world in which we live, we know through the mass media." So goes the thesis of the sociologist Niklas Luhmann. Yet at the same time, we often have the suspicion that the images that we see on a daily basis in the media are not necessarily to be trusted. Nevertheless, one must proceed on the basis that the mass media is the only instance available that observes the society as a whole. But what possibilities exist to test the reality of the information disseminated by the media? How does this information become a subject for further communication? And what is based simply on effect and exaggeration? The films of this programme observe how the media observe the world and how we regard the images presented there.
Anophtalmus Katharina Pethke
Deutschland 2005, 7:20 Min.
Weltpremiere
www.khm.de/~ka
Anopthalmus - ein medizinischer, poetischer und abstrakter Begriff für das, was zu sehen ist: arbeitende Hände im Dunkeln über rauschendem Feuer und das sich drehende Glas im Zentrum aller Dinge.
Eine Beobachtung vom Entstehungsprozess des Sichtbaren.
Anopthalmus - a medical yet abstract notion for what there is to be seen: working hands in darkness, rushing fire and spinning glass at the center of all things.
An observation on the process of vision.
Meditation on ViolenceSagi Groner
Niederlande / Israel 2005, 13:03 Min.
Weltpremiere
`Meditation on Violence´ ist ein quälendes und beunruhigendes Video, das aus Bildern gezielter Bombardierungen im Kosovo montiert wurde. Groner begleitet das von ihm im Internet gefundene Material durch seine Reflektionen und die Dekonstruktionen dieser grafischen, computerspielartigen Bilder, an die wir alle uns seit dem ersten Golfkrieg gewöhnt haben. Durch Montagetechnik und Änderung des Verhältnisses zwischen Ton, Bild und Text auf dem Bildschirm wird der Zuschauer durch diese minuziöse Dokumentation der NATO Bombardierungen im April 1999 geleitet.
A haunting and disturbing video composed from images of precision bombings in Kosovo. Groner shares the footage he found on the internet along with his reflections and deconstruction of these graphic, computer game like images, which we all have grown accustomed to watching since the first gulf war. Through techniques of montage, and by changing the relations between the sound, the image and text on the screen, the viewer is guided through this meticulous documentation of the NATO bombings in April 1999.
DestruktAline Helmcke
Deutschland 2005, 2:15 Min.
'Destrukt entzieht sich bewusst einer konkreten Stellungnahme zu den gezeigten Bildern. Der Film zeigt keine narrative Handlung: Metamorphosezeichnungen zersetzen sich ausgehend von einem Bildgegenstand in Lineamente, um sich zum nächsten Bildgegenstand zu formieren. Den Zeichnungen, deren Vorlagen Reportagefotografien sind, wird ihre Sensationsgeilheit durch die Transformation in das Medium der Zeichnung genommen. Die Bilder werden zu Bestandsaufnahmen, die Identitäten verwischen, Blut und Leichenteile nur mehr erahnbar machen. Der Untertitel 'ceci nest pas la lune verweist auf die ambivalente Seinsstruktur jener Konflikte, die uns (Westeuropäern) nur in Form einer un(be)greifbaren, aufbereiteten, medialen Ferne gegenwärtig werden. Sie lassen uns vergessen, dass wir trotz allem sehr konkret (z.B. durch Waffenproduktion, das Erwirken wirtschaftlicher Abhängigkeit, den Einsatz von 'Friedenstruppen) in diese Realitäten involviert sind.
The animation film Destrukt operates with single frame drawings taken from political report photos. The drawings, unusually complex for a drawn animation film, are transformed from one key-picture to the next. Thus, an impression of decomposition rather than a narrative structure evolves. The black and white drawings blur the identity of the pictures that everybody knows from the daily news. Instead of showing the background stories of the conflicts that these pictures implicate, the film wants to investigate their main structure, surrealistic and worrying between nearness and absence.
November Hito Steyerl
Österreich / Deutschland 2004, 25 Min.
In den achtziger Jahren drehte Hito Steyerl auf Super-8-Material einen feministischen Martial-Arts-Film. Ihre beste Freundin Andrea Wolf spielte darin die Hauptrolle einer kämpferischen Frau in Lederkluft und mit Motorrad. Das Engagement, das damals in der Formensprache des Exploitation-Kinos zum Ausdruck kam, wurde bei Andrea Wolf später ganz zur politischen Praxis: Sie ging als Kämpferin auf Seiten der PKK in die kurdischen Gebiete zwischen der Türkei und Nordirak, wo sie 1998 getötet wurde. In kurdischen Kreisen wird sie als unsterbliche Revolutionärin verehrt, ihr Bild wird auf Demonstrationen mitgetragen.
Hito Steyerl untersucht in NOVEMBER die vielfachen Wechselbeziehungen zwischen einer territorialen Machtpolitik (wie sie die Türkei mit Unterstützung aus Deutschland in Kurdistan betreibt) und individuellen Formen des Widerstands. Die Erinnerung an die Freundin und die Zeugnisse ihres Lebens provozieren die Filmemacherin zu einer grundsätzlichen Reflexion: Sie begreift, wie im globalen Diskurs die faktischen und fiktionalen Zusammenhänge ineinander übergehen. Das Bild der Freundin als revolutionäres Pin-Up ist anschlussfähig an asiatisches Genrekino und private Videodokumente gleichermaßen. Wenn der Oktober die revolutionäre Stunde ist, dann ist der November die Ernüchterung danach, aber auch die Zeit des Wahns aus dieser Position denkt Hito Steyerl über eine Beziehung nach, an deren Anfang eine Pose stand, deren Implikationen Andrea Wolf so ernst nahm, dass sie sich mit symbolischer Praxis nicht mehr begnügen wollte. Andrea Wolf wählte das Andere des Filmemachens, und wurde erst recht zu einer Ikone. (Bert Rebhandl)
Prime Time Paradise Persijn Broersen / Margit Lukács
Niederlande 2004, 11 Min.
www.pmpmpm.com
Broersen und Lukàcs haben aus unzähligen Fernsehbildern eine räumliche Kollage zusammengestellt. Die Bilder allerdings stehen still in der Medienlandschaft, stattdessen sind es die Zuschauer die sich durch das globale, irdische Paradies bewegen. Wie schwerelos fliegt der Betrachter durch das Dekor; über Hügel, durch Fenster, Türen und Höhlen, durch Räume und Wüsten, unter Wasser, verschwindet und taucht an einem anderen Ort wieder auf. Ihrer Umgebung entrissen verlieren die Bilder das bisschen Sinn, das ihnen noch geblieben war, bilden dafür neue Verknüpfungen.
Every day, news reports and other TV images pass by in an endless stream that numbs the viewer, who, as if hypnotized, does nothing more than watch and watch: constantly zapping to the next image or channel, in a steady flow; there is no more standing still. Attention is fragmentary; identification and reflection are impossible, there is always something happening, and old and new images crop up time and again in different places: behind a mountain a town is burning; a soldier is aiming his gun; a girl is screaming; a (destroyed) beach lies next to the building where a UN top meeting is taking place.
Broersen and Lukács have compiled a spatial collage out of innumerable television images, like a scale model. It is not the images that move; they are standing stock-still in a media landscape, the global paradise that is accessible to everyone. Through this décor of simulacra, the weightless viewer flies over hills, through windows and doors and caves, through rooms and across deserts, then under water, only to surface again somewhere else and continue the flight. Devoid of the usual context in which they already seemed to have lost their meaning and effect, the images generate new connections. In an eternal now, and within the simultaneity of events, the viewer floats through this infernal landscape, in which nothing is fixed, everything is possible and nothing can touch you. And nevertheless, or perhaps precisely because of this, from time to time it gets to you.
MosquitoboxOliver Kunkel
Deutschland 2004, 10:42 Min
http://www.oliverkunkel.com
Ein wissenschaftlich anmutender Glaskasten mit HIV infizierten Mücken ist auf einem Kunst Festival in Ljubljana/Slowenien zerbrochen. Das gesamte Schloss Ljubljana, in dem die Ausstellung stattfand wurde evakuiert. Die Angst infiziert zu werden ist erschreckend.
Das Video Mosquitobox ist das Resultat einer Skulptur in Kombination mit einer Aktion, welche 2003 in Slowenien stattfand. Es ist eine Arbeit über Angst und den Mangel an Wissen, bezüglich der Welt größten and bekanntesten Epidemie. Die Arbeit brachte das Thema HIV, wie geplant auf Seite 1 in den Medien und somit zum Medienkonsumenten.
Le Secret des DieuxOlivier Magis
Belgien 2004, 15 Min.
Vor fast zehn Jahren als uns die Nachricht von der Krise des Rinderwahnsinn überbracht wurde, zeigte sich uns eine schwache europäische Union in Bezug auf das Gesundheitswesen. Während die Medien jeden Tag darüber berichteten, stieg die Zahl der potentiell erkrankten Menschen schnell an. Danach, wie durch ein Wunder, verschwand diese schreckliche Affäre in unseren Unterhaltungen.
Mit Hilfe von europäischen Journalisten, Politikern, Ärzten, Experten und Wissenschaftlern, enthüllt diese bislang unpublizierte Untersuchung die wahren politischen und ökonomischen Ziele, die diese komplette Amnesie bei den Medien verursacht hat.
Almost ten years ago, the mad cow crisis broke the news, showing a weak European Union concerning Public Health. While the Medias were talking every day about it, the number of potential sick people increased quickly. Afterwards, magically, that terrible affair disappeared from our conversations.
With the aid of European journalists, politicians, doctors, experts and scientists, this unpublished investigation reveals the underground of the real political and economical goals that motivated a complete forgot by the Medias.
Super SensitiveJoachim Stein
Deutschland/ Schweden 2005, 3:48 Min.
Deutsche Premiere
http://stein.widerberg.de
Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass Angestellte, die unter Phobien leiden und im normalen Arbeitsalltag nur sehr schwer zu integrieren sind, in Geschäftsverhandlungen oft nützlich sein können. Weil sie eine besondere Sensibilität für die Glaubwürdigkeit von Verhandlungspartnern haben, werden sie von großen Unternehmen gezielt in wichtigen Verhandlungen eingesetzt.
"Super Sensitive" besteht aus einer arrangierten Folge von Bildern, die Meetings und Verhandlungssituationen, wie Werbeagenturen sie sich vorstellen. Solche Bilder werden vor allem als so genannte "Key Visuals" eingesetzt, die ein Unternehmens- oder Produktgefühl kommunizieren sollen. Sie zeigen lässige Manager in Designeranzügen, die vertrauenswürdig aussehen, Spaß an ihrer Arbeit haben und ungezwungen miteinander umgehen.
Die Bilder werden von einem Interview mit dem Neurologen Dr. Jesper Petersson von der Universitätsklinik Malmö komplementiert, der erklärt wie Unternehmen Mitarbeiter, die unter Phobien leiden, in Verhandlungen einsetzen.
Phobic employees who can be extremly troublesome in ordinary work environments have through studies shown to be very useful in business negotioations. Large corporations use employees who suffer from anxiety disorders in such situations because of their extreme sensitivity to lack of honesty.
Super Sensitive consists of arranged photos of business meetings as they are imagined by advertisement companies. Those photos are often used for so called key visuals, visual style elements that are designed to communicate the spirit of the companies and products. They show cool managers in designer suits, who look trustworthy and seem to be having a good time.
The images are complemented by an interview with Dr. Jesper Petersson from Malmö University Hospital explaining how companies use employees who suffer from phobia in negotiations and business meetings.

