Fr, 11.11. / 12:45
Überleben in Nauheim
Paul-Rainer Wicke und Götz Penner erkunden das Heimatgefühl.
Nauheim: Reihenhäuser mit abgeschotteten Eingängen, Neubausiedlungen mit leeren Straßen, ein Schlafplatz für 10.000 Bewohner am Rand der großen weiten Welt, der Großstadt Frankfurt mit ihrem Flughafen. Ein gesichtsloser Ort ohne Anfang und Ende?
Nauheim steht als Synonym für Vororte, wie sie überall am Rande von Metropolen vorkommen. Und er zeigt gleichzeitig ein Phänomen, das viele Orte kennen, die im Speckgürtel von Großstädten liegen: Nirgendwo geht ein so hohes Pro-Kopf-Einkommen der Einwohner mit einer so großen Verödung der örtlichen Infrastruktur einher.
Nauheim, so scheint es, swingt um eine leere Mitte: Eine Baubrache als Ortszentrum? Uniforme Reihenhausstraßen, leere Plätze mit Waschbetonkübeln und eine Geräuschkulisse aus Fluglärm und Blaskapellen verleiten den Ortsunkundigen zu der Frage: „Überleben in Nauheim?“
Sechs Nauheimer und ihre individuellen Strategien für das „Überleben in Nauheim“ geben Antworten. Gestrandet sind hier irgendwann der Geigenbogenbauer, der Bürgermeister, der Pizzabäcker, die Stadtplanerin, die Landwirtin und der Kinobesitzer. Sie sind auf der Suche nach einem Bezug zu einem Ort ohne Identität.
Die meisten ihrer Nachbarn arbeiten tagsüber auswärts und ziehen sich abends im Wohngebiet zurück. Einige der sechs Protagonisten bemühen sich, den Ort zu gestalten, andere arrangieren sich irgendwie mit der Beliebigkeit, aber alle erklären sie Nauheim zu ihrer Heimat. Und davon erzählt der Film.
„Überleben in Nauheim“ öffnet Augen und Ohren. Und wer entdeckt da nicht, dass wir Nauheim unter anderem Namen bereits kennen – und fragt sich, so viel Ehrlichkeit muss sein, ob es woanders wirklich besser ist?

Überleben in Nauheim (Stranded in Nauheim)
Deutschland 2005
Regie: Götz Penner, Paul-Rainer Wicke
Kamera: Götz Penner
Ton: Jens Ludwig
Musik: Musikverein 1950 Nauheim
Farbe / 83 Min.
Deutsche Fassung
Weltpremiere
gpenner@t-online.de, cinemaxgm@aol.com

NOMINIERUNG: GOLDENER HERKULES

Nauheim, a sober commuting town somewhere along the edge of the metropolitan centres of the Rhein-Main region, not far from the Frankfurt Airport. The film show six very different Nauheim residents in their efforts to come to terms with the arbitrariness of the place and make Nauheim into a home.