So, 13.11. / 13:00
Vater und Feind
Eindringliches Porträt über einen Mann, dessen Vater als ehemaliger Stasi-Mitarbeiter das Leben seines Sohnes gegenüber dem wohl bekanntesten Geheimdienstapparat minutiös dokumentiert hat.
Geboren wurde der jetzt in Köln lebende Fotograf Jörg Hejkal 1961 in Halle an der Saale als Sohn eines Stasi-Offiziers. Die Linientreue seines Vaters traf dabei früh auf die Freiheitsliebe des Sohnes, die im Alter von 17 Jahren zum ersten Fluchtversuch und Gefängnis führte. Auslöser waren dabei die Stellungnahmen über seine Person, die er im Kleiderschrank seiner Eltern gefunden hatte. Die wohl spektakulärste und von hoher Medienaufmerksamkeit begleitete Aktion unternahm Jörg Hejkal, nachdem er wieder auf „freiem“ Fuß war, mit der Besetzung der US-Botschaft in Berlin 1984 zusammen mit vier anderen. Tatsächlich gelang es den fünf Flüchtigen, der Auslieferung an die DDR zu entgehen und die ersehnte Ausreise in den Westen wurde wahr. Obwohl Jörg während seines Gefängnisaufenthaltes den Kontakt zu seinen Eltern bewusst abgebrochen hatte, kommt es am Ende zu einer Zusammenführung der beiden Parteien.
Susanne Jäger begleitet den Protagonisten zu den Stationen seiner Vergangenheit, die das Bild einer überwachten, verratenen Jugend zeichnen. Unaufdringlich bringt sie ihn dazu, über das Vergangene zu sprechen und konfrontiert ihn mit weiteren, während der Dreharbeiten auftauchenden Akten über die Berichterstattung seines Vaters. Dabei werden dessen Meldungen anschaulich mit nachinszenierten Szenen untermalt, die sich harmonisch in das Dokumentarisch-Protokollarische des Films einfügen. Freigelegt werden die wohl extremsten Erfahrungen, die ein Mensch mit Verrat durch die engsten Angehörigen machen kann, ohne dass die Filmemacherin dabei den therapeutischen Zeigefinger erhebt. Stattdessen wird bei den emotionsgeladenen Erzählungen Jörgs und den intensiven Begegnungen mit seinen Eltern auf einer allgemeineren Ebene deutlich, dass die DDR-Geschichte für viele Menschen noch längst nicht aufgearbeitet ist.

Vater und Feind
Deutschland 2005
Regie/Buch: Susanne Jäger
Kamera: Marit Mondorf, Justyna Feicht u.a.
Schnitt: Susanne Jäger, Trang Lam
Ton: Filip Vorberg, Tim Krüger
Musik: Gerriet K. Sharma
Farbe / 62 Min.

NOMINIERUNG: GOLDENER SCHLÜSSEL

The film tells the story of Jörg Hejkal, who after discovering the betrayal of his State Security Officer (STASI) father, sets out on a long and difficult journey to escape the totalitarianism that defined his youth in the former East Germany (GDR). After surviving the State’s attempts to break his young spirit, Joerg’s resilience and courageous action would later inspire a movement in the GDR that would eventually bring down the communist government and make Jörg the enemy of his father.