
Filmscreening: Ghosts, Icons, Clouds, DreamsSa. | 7.2. | 15 Uhr (BALi)
07.02.26, 15:00; BALi Kinos, Rainer-Dierichs-Platz 1, 34117 Kassel Filmscreening: Ghosts, Icons, Clouds, Dreams
Das Filmprogramm ist Teil der Ausstellung „The China Moment“, die im Kasseler Kunstverein stattfindet und die erste Forschungsausstellung des documenta Instituts darstellt. Die Arbeiten der vier chinesischen Filmemacher*innen Bo Wang, Tang Han, He Zike und Zheng Yuan bewegen sich zwischen Geschichte und Gegenwart, Realität und Traum und fangen aufmerksam die rasanten Veränderungen des heutigen China ein. Von Hongkongs Perückenindustrie bis hin zu Maos Porträt auf Banknoten und dessen Repräsentationskrise im digitalen Zeitalter; von „Rechenzentrumsclustern“ im Südwesten Chinas, wo himmlische und digitale Wolken aufeinandertreffen, bis hin zu den Träumen von Arbeiter*innen einer technologiegetriebenen Gesellschaft.
Kuratiert von TANG Han
Einleitung:
Bevor Veränderungen zu Geschichte werden, sind sie zunächst spürbar – im Körper und in den veränderten Rhythmen des Alltags. Von Hongkongs Perückenindustrie und ihren eindringlichen Erinnerungen an die Modernisierung Asiens im späten 20. Jahrhundert bis hin zu Maos Porträt auf Banknoten und seiner Krise der Repräsentation im digitalen Zeitalter; von den „Rechenzentrumsclustern” im Südwesten Chinas, wo himmlische Wolken und digitale Wolken zusammenkommen, bis hin zu den Träumen von Arbeiter*innen in einer technologiegetriebenen Gesellschaft, die von Geschwindigkeit und Effizienz besessen ist – die Bewegtbildarbeiten von vier chinesischen Künstlern*innen zeichnen Welten nach, die zwischen Sichtbarkeit und Auslöschung schweben. Elemente, die einst als stabil galten – Arbeitssysteme, Werte, Daten und die Vergangenheit – beginnen zu flackern, sich aufzulösen oder als eindringliche Präsenz zurückzukehren.
Arbeiten:
Bo WANG:
An Asian Ghost Story, 2023, 37 Min. Dieser Film, erzählt aus der Sicht des Geists eines verstorbenen Haarspenders, handelt von eindringlichen Erinnerungen an die Modernisierung Asiens im späten 20. Jahrhundert. In der Nachkriegszeit trug der Export von Echthaarperücken zur wirtschaftlichen Entwicklung Asiens bei, wobei Hongkong als wichtiger Knotenpunkt zwischen Maos China und dem westlichen Markt fungierte. 1965 verhängten die USA ein Embargo für „asiatisches Haar”, das später als „kommunistisches Haar” bezeichnet wurde, was zu einer erheblichen Umgestaltung der Konsumgüterindustrie in Ostasien führte. Ausgehend von diesem Moment untersucht der Film Hongkongs Rolle als transitionaler Raum, der Verbindungen zwischen verschiedenen Welten durch Geschichten von Bewegung, Diaspora und Migration vermittelt und bereinigt. Er untersucht auch die Beziehung zwischen dem US-Imperialismus und der ostasiatischen Ordnung während des Kalten Krieges.
TANG Han:
Pink Mao, 2020, 22 Min. 30 Sek. 1999, kurz vor dem Beitritt Chinas zur Welthandelsorganisation, gab die Volksbank von China die fünfte Auflage der Renminbi-Banknoten heraus, die bis heute im Umlauf sind. Zum ersten Mal erschien auf allen Stückelungen ein einziges Porträt von Mao Zedong. Entgegen der offiziellen Darstellung und der allgemeinen Wahrnehmung ist die 100-Yuan-Banknote eher rosa als rot – eine Gegenüberstellung von Farbe und Autorität, die zu einer genaueren Betrachtung einlädt. Da digitale Zahlungsmethoden zunehmend Bargeld ersetzen, werden Banknoten unsichtbar, was die Darstellung von Maos Porträt im digitalen Zeitalter in eine Krise stürzt. Mit ernstem Ton und farbenfrohen Bildern hinterfragt die Künstlerin festgefahrene Vorstellungen von Digitalisierung, Globalisierung, Kapitalismus und Geschlecht.
HE Zike:
Random Access, 2023, 16 Min. Der Film spielt in Guiyang, einer bergigen Stadt, in der sich wichtige Dateninfrastrukturen befinden – darunter das erste iCloud-Rechenzentrum in Asien und die renommierten FAST-Teleskop-Server. Er entfaltet sich als Science-Fiction-Erzählung, die auf realen Orten und Geschichten basiert. Guiyang ist auch das Zentrum der chinesischen Karstlandschaft, wo geologische Informationen und meteorologische Wolken in den Bergstrukturen gespeichert sind. Nach dem unerwarteten Absturz des Hauptrechenzentrums der Stadt reisen zwei Figuren durch eine chaotische digitale Realität und bewegen sich inmitten von Blitzen alter Erinnerungen und Zukunftsvorstellungen durch die Stadt. Die Protagonist*innenbegegnen sowohl in der Cloud gespeicherten Informationen als auch erweiterten Versionen ihrer selbst und müssen ihren Weg durch eine sich schnell verändernde Welt finden.
ZHENG Yuan:
Dream Delivery, 2018, 9 Min. 49 Sek. Ein erschöpfter Lieferfahrer streckt sich auf der Bank eines Parks am Straßenrand aus und schläft ein, sicher und geborgen. In einem Traum, der wie eine lange Einstellung komponiert ist, versammeln sich Arbeiter in einem Shanzhai-Park in der Wüste, wo dynamische Fahrer zu statischen „Statuen“ werden und einen scharfen Kontrast zu der Geschwindigkeit und Effizienz bilden, die sie rund um die Uhr unermüdlich verfolgen. Diese All-Star-Besetzung zeitgenössischer Arbeiter offenbart eine andere Seite des chinesischen Wirtschaftswunders: In einem zunehmend homogenen, von Technologie und Wohlstand geprägten Stadtleben tauchen neue Formen der Arbeit und sozialen Ausbeutung auf – Nebenprodukte der unaufhörlichen Mobilität der Gesellschaft und einer Welt der Geschwindigkeit ohne Ruhe. Schlaf ist für diese mobilen Menschen zu einem kostspieligen Risiko geworden. Durch einen surrealen, aber dennoch höchst realistischen Traum versucht der Film die Müdigkeit und Angst dieser Zeit einzufangen und die unaufhörliche tägliche Mobilität in einer virtuellen Welt einzufrieren. Gleichzeitig verdienen unvergessene Gesichter aus dem wirklichen Leben Nahaufnahmen in imaginären Träumen.





















